IT-Management

Sieben Aufgaben, die die IT oft schuldig bleibt

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
CIOs sind nicht zu beneiden. Sie üben den Spagat zwischen Endanwendern und Vorstand, zwischen Ajax und Cobol, zwischen steigenden Anforderungen und drohendem Chaos. Darüber vergessen sie oft, was sie dem Unternehmen vor allem schulden.

Manchmal wissen die Anwender selbst nicht, was sie wollen, oder zumindest können sie es nicht artikulieren. Dann ist der IT-Chef als Hellseher gefragt. Zudem steht er ständig unter dem Druck, neues technisches Know-how zu erwerben - selbstverständlich, ohne das alte zu verlernen. Nicht genug damit, dass die unternehmenskritischen Applikationen problemlos laufen müssen. Sie sollen auch noch so aufgebrezelt werden, dass sie den Ansprüchen der Facebook-Generation genügen.

Der CIO moderner Prägung wünscht sich bisweilen mindestens sechs Arme.
Der CIO moderner Prägung wünscht sich bisweilen mindestens sechs Arme.
Foto: Pitopia, Sunny Celeste, 2007

Darüber hinaus steigt die Datenflut um 30 Prozent pro Jahr - und parallel dazu die Gefahr des Datenverlusts. Ständig schwebt das Damokles-Schwert einer Katastrophe bislang ungekannten Ausmaßes über dem Haupt des IT-Verantwortlichen. Und inmitten dieser nervenzerfetzenden Situation muss der CIO auch noch herausfinden, wie er das Unternehmensgeschäft bestmöglich unterstützten kann. Wahrlich ein Job für eine vielarmige Gottheit! Aber so läuft nun mal das Business heute.

Dan Tynan, Redakteur bei der US-amerikanischen COMPUTERWOCHE-Schwester "Infoworld", hat das Betätigungsfeld des modernen CIO in sieben Aufgaben zusammengefasst, die seiner Ansicht nach auf die To-do-Liste jedes IT-Chefs gehören. Häufig genug werden diese Punkte aber als Nebensache abgetan. Wer das tut, so Tynan, handelt auf eigene Gefahr.

1. Beschatten Sie Ihre Anwender

Sie brauchen keinen Detektiv zu engagieren, um herausfinden, wie die Leute in Ihrem Unternehmen mit der Technik umgehen. Andererseits kann es auch nichts schaden.

"IT-Leute sollten die Anwender beschatten, um herauszufinden, was sie tatsächlich den ganzen Tag so tun", schlägt Jonathan Ezor vor. Der Assistenzprofessor für Recht und Technik am Touro Law Center in Central Islip, New-York, hat zweierlei festgestellt: Auf der einen Seite beschweren sich die IT-Mitarbeiter häufig - und keineswegs unberechtigt - über den technischen Dilettantismus der Anwender. Auf der anderen Seite haben, so Ezor, auch die Anwender triftige Gründe für ihre Klagen darüber, dass die Empfehlungen der IT an der Realität der täglichen Arbeit vorbei gehe.

Die meisten Anwender fühlen sich von der IT unverstanden.
Die meisten Anwender fühlen sich von der IT unverstanden.
Foto: Getty Images

Ein guter Weg, die tatsächlichen Bedürfnisse der internen wie externen Kunden kennenzulernen, ist der, ihnen über die Schulter zu schauen, so Richard Rabins, Mitbegründer von Alpha Software. Wenn sein Unternehmen maßgeschneiderte Anwendungen für einen großen Kunden erstelle, installiere es ein Entwicklerteam direkt in den Büroräumen der Abteilungen, die später mit der Software arbeiten sollen. "Es hat gigantische Auswirkungen, wenn die Entwickler die Nöte der Anwender aus nächster Nähe mitbekommen, quasi in ihre Haut schlüpfen und ihre Geschäftsprozesse von Grund auf verstehen lernen", sagt Rabins.