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Sieben auf einen Streich - SAP wirbt Top-Manager der Konkurrenz ab

16.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - SAP hat laut einem Bericht des "Wall Street Journal" sieben Top-Manager von der Konkurrenz abgeworben. Die frisch gebackenen SAP-Mitarbeiter hatten früher bei Oracle, Peoplesoft, Siebel und Bea Systems gearbeitet. Während Oracle und Siebel die Meldung bislang nicht kommentieren wollten, erklärte eine Bea-Sprecherin, ihr Unternehmen werde genauso darauf hinarbeiten, Topleute aus der Industrie anzuheuern.

Dem Bericht zufolge stammen die abgeworbenen Manager nicht nur aus dem Vertrieb, sondern auch aus den Entwicklungs- und Marketing-Abteilungen. Ihre neue Heimat sollen sie im Entwicklungsteam des SAP-Vorstands Shai Agassi in Kalifornien finden.

"Es scheint, als ob Agassi auf einer groß angelegten Talentsuche sei", meint Bruce Richardson, Analyst von AMR Research. Angesichts der zunehmenden Konsolidierung im Markt seien häufige Personalwechsel im Management nicht verwunderlich. Der jüngste Schachzug des größten deutschen Softwareanbieters fällt in eine Phase wachsender Konkurrenz der Anbieter für Business-Software. So hatte beispielsweise Oracle erst vor wenigen Tagen mit "OFF SAP" ein Programm angekündigt, um SAP-Kunden abzuwerben. Die Initiative ist die Antwort auf SAPs "Safe Passage"-Programm, mit dem die Walldorfer versuchen, Oracle- und Peoplesoft-Anwender für die eigenen Lösungen zu begeistern.

Nach Einschätzung der AMR-Analysten wird sich der Konkurrenzkampf der großen Anbieter weiter verschärfen. Nach einem Wachstum des weltweiten Enterprise-Resource-Planing- (ERP-)Marktes von 14 Prozent im vergangenen Jahr erwarten die Marktforscher für 2005 nur ein mageres Plus von weniger als drei Prozent. Allerdings würden sich die großen Anbieter künftig ein größeres Stück vom ERP-Kuchen abschneiden. Hatten die fünf Top-Player des Jahres 1999 (SAP, Oracle, Peoplesoft, J.D. Edwards und Baan) 59 Prozent der Einnahmen auf ihren Konten verbucht, werden es die Top Five SAP, Oracle, Sage, Microsoft, und SSA Global im laufenden Jahr auf 72 Prozent der weltweiten Umsätze bringen. Nach AMR-Schätzungen kommt SAP derzeit auf einen globalen Marktanteil von 18 Prozent, gefolgt von Oracle mit zwölf Prozent.

Um für den künftigen Wettbewerb gewappnet zu sein, setzt SAP offenbar auf mehr Personal. Laut den Plänen der Walldorfer sollen in diesem Jahr rund 3000 neue Namen auf der Gehaltsliste auftauchen. Damit käme der Softwareanbieter auf rund 35 000 Mitarbeiter. Dagegen steht bei der Konkurrenz eher der Jobabbau im Vordergrund. Bei Oracle mussten im Rahmen der Akquisition von Peoplesoft mit 5000 Mitarbeitern rund zehn Prozent der Belegschaft ihren Hut nehmen. Erst kürzlich gab George Shaheen, seit zwei Monaten neuer CEO bei Siebel, bekannt, die Kosten durch eine Straffung der Organisation verringern zu wollen. Wie viele Arbeitsplätze diesem Sparprogramm zum Opfer fallen werden, steht noch nicht fest. (ba)