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Siebel steuert in den Oracle-Hafen

18.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Siebels CRM-Lösungen werden das Herzstück von Oracles künftigen Lösungen für das Kunden-Management bilden, versprach der noch amtierende Siebel-CEO George Shaheen seinen Zuhörern zum Auftakt der Kundenveranstaltung "Customer World" in Boston. Die Mitte September verkündete Akquisition durch den Datenbankspezialisten mit einem Gesamtvolumen von 5,8 Milliarden Dollar werde beide Softwareanbieter stärker machen (siehe auch: Mit Siebel kauft Oracle Marktanteile). Für die Anwender soll der Merger reibungslos über die Bühne gehen. Oracle-Chef Lawrence Ellison, der nur via Videoeinspielung Präsenz zeigte, bestätigte Shaheens Aussagen und erklärte, Siebels Bestrebungen in Richtung Service-orientierte Architekturen (SOA) würden gut zu dem eigenen Integrationsprojekt "Fusion" passen (siehe auch: Großbaustelle Oracle). Besucher äußerten sich jedoch zumeist enttäuscht. Man habe mehr Details über den Merger erwartet, so das allgemeine Echo von der Kundenseite.

Inwieweit Siebel-Entwicklungen in die künftige Applikationsgeneration Oracles einfließen werden, bleibt indes abzuwarten. Ellison hatte zuletzt auf der eigenen Kundenveranstaltung Openworld vor wenigen Wochen in San Francisco erklärt, keine Codebasis der zugekauften Unternehmen wie Peoplesoft, J.D.Edwards oder Siebel sei von Haus aus geschützt und genieße eine privilegierte Stellung im Rahmen der weiteren Entwicklungen.

Die Siebel-Verantwortlichen haben in Boston außerdem die Grundzüge ihrer weiteren Roadmap dargestellt. Die künftigen CRM-Lösungen werden demnach aus einzelnen Softwarebausteinen bestehen, die sich auf Basis einer Integrationsplattform verknüpfen lassen sollen. Siebel arbeitet bereits seit geraumer Zeit daran, mit Hilfe des "Siebel Component Assembly", vormals "Project Nexus", seine in früheren Jahren als extrem komplex verschrieene Architektur zu vereinfachen (siehe auch: Siebel in Wartestellung). Ferner kündigte der Softwareanbieter an, die Benutzerschnittstellen seiner unterschiedlichen Linien Enteprise, Component Assembly und On-Demand zu vereinheitlichen. Außerdem sei geplant, das Userface in andere Plattformen zu integrieren. Bruce Cleveland, verantwortlich für die Produktentwicklung bei Siebel, kündigte an, dass es in Zukunft beispielsweise möglich sein soll, von Microsofts Office-Oberfläche auf Siebel-Anwendungen zugreifen zu können. Mit dem Projekt "Mendocino" hat Konkurrent SAP bereits im Frühjahr dieses Jahres ein vergleichbares Vorhaben für seine Applikationslinie gestartet (siehe auch: SAP demonstriert die Möglichkeiten von Mendocino).

Von Seiten SAP kam heftige Kritik an der Integrationsstrategie des Wettbewerbers. Mit Nexus gebe Siebel quasi zu, dass die eigene CRM-Architektur zu kompliziert sei, um sie zu implementieren, zu warten und unternehmensübergreifend zu integrieren, hieß es aus der Konzernzentrale in Walldorf. Mit der SAP-eigenen Integrationsplattform sei dagegen eine Anwendungsintegration über das CRM-Segement hinaus möglich, warb das badische Softwarehaus für die eigene Plattform.

Die Walldorfer spekulieren darauf, in den Wirren um die Akquisition durch Oracle verunsicherte Siebel-Kunden abwerben zu können. So hat das deutsche Softwarehaus sein "Safe-Passage-Programm", das bereits für Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Kunden gilt, auch auf Siebel-Anwender ausgedehnt (siehe auch: SAP weite Safe Passage auf Siebel-Kunden aus). Umsteigewillige bekommen bei der Migration auf ein SAP-Produkt 75 Prozent ihrer bisherigen Lizenzkosten angerechnet. (ba)