Nicholas Carr

"Sie haben das Data Center bereits auf Ihrem Schreibtisch"

Simon verantwortet auf Computerwoche online redaktionell leitend überwiegend alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz. Er entwickelt darüber hinaus innovative Darstellungsformate, beschäftigt sich besonders gerne mit Datenanalyse und -visualisierung und steht für Reportagen und Interviews vor der Kamera. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter der Computerwoche. Aufgaben in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
Der berühmt-berüchtigte Starautor Nicholas Carr hält die Cloud für das zentrale technische und strategische IT-Element der kommenden Jahre.
Polarisiert wie immer mit steilen Thesen: IT-Autor Nicholas Carr
Polarisiert wie immer mit steilen Thesen: IT-Autor Nicholas Carr

In einem Vortrag im Rahmen des Computerworld-Webcasts "Cloud Computing - Mythos oder Wirklichkeit?", der in Kooperation mit der COMPUTERWOCHE und T-Systems stattfand, schilderte Carr seine Zukunftsvisionen (nach der Registrierung können Sie sich das Video der Veranstaltung hier noch einmal anschauen). "Computing ist mittlerweile so preisgünstig, dass die meiste Technik problemlos virtualisiert werden kann", so Carr. Zum ersten Mal in der IT-Geschichte sei die Lücke zwischen Netzleistung und Rechenleistung so gut wie verschwunden, sodass die Verfügbarkeit von IT-Infrastruktur nicht mehr in den eigenen "vier Wänden" vorgehalten, sondern komplett aus der Wolke je nach Bedarf bezogen werden könne. "Gestern hatten Sie den Supercomputer von vorgestern auf Ihrem Schreibtisch, heute haben Sie dort bereits das komplette Data Center", unterstrich Carr die Macht und das Potenzial von Cloud-Anwendungen. "Cloud Computing als Hype zu bezeichnen, ist das Falscheste, was Sie machen können", warnte der Autor von Bestsellern wie "Does IT Matter" und "The Big Switch" davor, sich nicht mit diesem Thema zu beschäftigen.

"Klassische" IT in zehn Jahren tot

Besonders große Unternehmen mit einer breit skalierten IT profitierten von den Vorteilen des Cloud Computing. Es sei aus Datensicherheits- und Datenschutzgründen für viele noch zu früh, mit der IT in die öffentliche Wolke zu gehen. Die Erkenntnis aber, dass eine "Private Cloud" dabei helfe, das teure, platz- und energiefressende Rechenzentrum auf Basis eines virtuellen Modells günstig nachzubauen, setze sich bereits durch. "Sie können viel schneller Geschäftsfelder eröffnen und neue Märkte betreten", so Carr. Seiner Auffassung nach werde es noch etwa fünf bis zehn Jahre dauern, bis die interne IT in Gänze durch die öffentlichen Cloud ersetzt worden sei - dann nämlich, wenn die öffentliche Cloud-Infrastruktur ihre Kinderkrankheiten abgelegt habe und robust genug sei für verschiedene Einsatzzwecke.

Aufgeschlossen bleiben!

Die demokratische Struktur der Wolke sorge dafür, dass jeder einzelne Mitarbeiter bei einer Cloud-Infrastruktur einen großen Einfluss auf ein Unternehmen habe. Die IT-Abteilungen müssten sich laut Carr den neuen Anforderungen stellen und auch einsehen, dass es ohne Business nicht mehr funktioniere. "IT kann heute auf der gleichen Grundlage aufgebaut werden wie die Geschäftsmodelle - hier entstehen neue Investitionsmuster, die aber auch eine breite Palette an Innovationsmöglichkeiten eröffnen." Carr fordert dazu auf, in der IT-Abteilung niemals mit dem Experimentieren aufzuhören und dem Cloud Computing aufgeschlossen gegenüber zu stehen, um den Anschluss an die weltweite technische Entwicklung nicht zu verpassen.