Studie zur neuen Arbeitswelt

Sicherheit im Job wichtiger als Selbstbestimmung

Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Chefs bekommen in einer Xing-Arbeitnehmerstudie zwar gute Noten, doch eine offene Kultur scheint nicht selbstverständlich. Ein Viertel der Angestellten fragt nicht einmal nach seinen Wunschauszeiten.

Studien wie der Kompass Neue Arbeitswelt von Xing und Statista holen einen ein Stück weit zurück in die Realität. Denn die besteht noch längst nicht aus dem, was vorrangig bei Konferenzen wie re:publica oder Work in Progress zum Thema Arbeit diskutiert wird. Die Konferenzen beschäftigen sich vielfach vor allem mit Bedingungen für die sogenannten Wissensarbeiter. Wer das nicht ist, fällt häufig durchs Raster.

Das Meinungsforschungsinstitut Statista hat im Auftrag von Xing 4.000 Beschäftigte aller Berufsklassen befragt, davon etwas mehr als 1.000 Akademiker. So kommen neben den Wissensarbeitern - laut Xing-Definition Befragte mit akademischem Abschluss, einem überdurchschnittlichen Verdienst von mindestens 3.000 Euro brutto, die in der Kreativwirtschaft, höheren Verwaltung oder Wissenschaft arbeiten - auch Befragte mit Berufsausbildung (2.642) und rund 300 Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung zu Wort.

Zwei Drittel dieser Arbeitnehmer (67 Prozent) ist Sicherheit im Job wichtiger als Selbstbestimmung. Mit Blick auf die Gruppe der Wissensarbeiter sind es immer noch 57 Prozent. Ein immenser Unterschied zeigt sich beim Thema Flexibilität. Während 44 Prozent aller Arbeitnehmer auf Flexibilität in ihrer Arbeitsgestaltung zugunsten eines höheren Gehalts verzichten würden, ist keiner der Wissensarbeiter dazu bereit.

Wunsch: Arbeitszeit um fünf Stunden reduzieren

Die Mehrheit der Arbeitnehmer würde ihre Wochenarbeitszeit gern um etwa fünf Stunden reduzieren.
Die Mehrheit der Arbeitnehmer würde ihre Wochenarbeitszeit gern um etwa fünf Stunden reduzieren.
Foto: HEC GmbH

Insgesamt geben 46 Prozent der Befragten an, dass sie von ihrem Gehalt gut leben können. Vier von zehn Umfrageteilnehmern halten ihr Gehalt für angemessen. Allerdings glauben gerade einmal 29 Prozent, dass sie vom eigenen Gehalt eine Familie ernähren können. Bei den Frauen sind es nur 16 Prozent. Über die Hälfte der Arbeitnehmer (53 Prozent) arbeitet mindestens 40 Stunden die Woche, aber nur 29 Prozent wünschen sich das auch so. Die Mehrheit der Befragten würde ihre Wochenarbeitszeit gern um etwa fünf Stunden reduzieren.

Gute Noten für Vorgesetzte

Gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer bewertet ihre Vorgesetzten durchweg positiv. Pluspunkte bekommen Chefs insbesondere für gute Kommunikation, ihre Unterstützung und Erreichbarkeit sowie für Wertschätzung gegenüber ihren Mitarbeitern. Etwa ein Fünftel der Befragten hat Probleme mit dem Vorgesetzten und fühlt sich dabei unter anderem unnötig unter Druck gesetzt und verunsichert. Häufig bestehen starre Hierarchiewege, denn Zusammenarbeit über Abteilungen hinweg ist nur für gut ein Drittel der Arbeitnehmer problemlos möglich.

Was viel über die Unternehmenskultur der Arbeitgeber aussagt: Nur die Hälfte derjenigen, die eine Auszeit wie Elternzeit oder Sabbatical im Job nehmen wollten, hat diese auch bekommen. Ein Viertel der Arbeitnehmer hat seinen Auszeitwunsch nie geäußert. Bei 30 Prozent der Befragten unterstützt der Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht. 40 Prozent arbeiten hingegen für ein Unternehmen, das entsprechendes Entgegenkommen beim Thema Vereinbarkeit zeigt.

Die Studienergebnisse zeigen, wie heterogen die Arbeitsverhältnisse sind und wie unterschiedlich zum Teil die Wünsche der Arbeitnehmer ausfallen. Bei der Vorstellung der Studie in Berlin sagte XING-CEO Thomas Vollmoeller unter anderem: "Das 'Normal-Arbeitsverhältnis' gibt es nicht. Denn es gibt auch nicht den 'Normal-Menschen' oder den 'Normal-Mitarbeiter' mit 'normalen Bedürfnissen'. Deshalb gibt es auch keine idealen Arbeitsbedingungen. Die Komplexität der individuellen Lebensentwürfe ist zu hoch als dass wir sie schematisch abbilden und strukturieren könnten."