Durchblick im CPU-Dschungel

Server-Prozessoren von Intel und AMD

Klaus Hauptfleisch ist freier Journalist in München.
Regelmäßig werfen Intel und AMD neue Server-Prozessoren mit oft kryptisch scheinenden Codenamen auf den Markt. So behalten Sie den Überblick.
Auf eine Strukturverkleinerung oder ein Tick folgt bei Intel immer eine neue Mikroarchitektur oder ein Tock.
Auf eine Strukturverkleinerung oder ein Tick folgt bei Intel immer eine neue Mikroarchitektur oder ein Tock.
Foto: Intel

Tick-Tock macht es bei Intel seit 2007 praktisch nur noch: Penryn, Westmere, Ivy Bridge, Broadwell und Skymont sind jeweils der Tick in Richtung immer feinerer Strukturgrößen der Chips (Die Shrink), angefangen von der 45- bis hin zur künftigen 10-Nanometer-Fertigung. Dem folgt meist ein bedeutsameres Tock, nämlich die Einführung einer neuen Mikroarchitektur: von Core über Nehalem und Sandy Bridge bis hin zu Haswell und Skylake, letztere beide noch Zukunftsmusik.

Hinzu kommen weitere Codenamen für die Plattformen, Motherboards, die Chipsätze und andere Komponenten, so dass man schier den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. AMD hat, wie es scheint, etwas mehr Ordnung ins System gebracht, wartet aber ebenfalls mit einer Reihe eigener Codenamen auf. Die folgende Marktübersicht soll etwas Licht in den Server-CPU-Dschungel der beiden so ungleichen Anbieter bringen. Dabei konzentriert sich der Artikel auf x86- und IA-64-Prozessoren. RISC- und andere CPUs für Midrange- und Highend-Server werden nicht behandelt, wohl aber Intels Itanium, auch wenn die Zukunft der Hochleistungsarchitektur für die „Post-RISC-Ära“ angesichts des Streits zwischen Oracle und HP ungewiss scheint.

Kleiner Rückblick Intel Xeon und AMD Opteron

Xeon DP Nocona mit Prescott-Core brachte 2004 schon Taktfrequenzen von bis zu 3,6 GHz.
Xeon DP Nocona mit Prescott-Core brachte 2004 schon Taktfrequenzen von bis zu 3,6 GHz.
Foto: Intel

Dies soll kein historischer Abriss werden, aber technologisch sei hier doch ein kleiner Rückblick auf die jüngere Vergangenheit erlaubt. Nachdem Intel 1998 mit Pentium II Xeon Drake, damals noch auf Basis der 250-nm-Fertigung, die ersten Xeon-Prozessoren vorgestellt hatte, sah es fast so aus, als würde AMD dem Marktführer das x86-Server-Segment ganz allein überlassen. Erst 2003 hatte der ewige Zweite mit Opteron eine Antwort parat und dazu noch eine höchst veritable - weg von der Kopierleistung, wie Intel als einstiger Lizenzgeber früher oft unterstellte.

Denn schon der erste K8-basierte Opteron mit Codenamen Sledgehammer (130 nm) beinhaltete zwei wesentliche Features, die Intel erst Jahre später, wenn auch in abgewandelter Form, aufgegriffen hat: Das erste war die 64-Bit-Unterstützung aus der AMD64-Mikroarchitektur, die Intel unter der Bezeichnung Intel 64 (Codename Clackamas) erst 2004 in die NetBurst-Architektur integriert hat. Das zweite ist HyperTransport (HT), eine sehr schnelle Punkt-zu-Punkt-Verbindung für die Kommunikation zwischen Prozessoren untereinander und dem Chipsatz, die bei Intel erst 2008 mit Einführung der Core-i7-Prozessoren oder Nehalem-Architektur unter dem Begriff QuickPath Interconnect (QPI) den Front Side Bus (FSB) ablöste.