Open Source auf dem Mainframe

Server-Konsolidierung mit Linux drückt IT-Kosten

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit einem internen Konsolidierungsprojekt auf Linux-Großrechner will IBM Millionen sparen. Gartner hat das Projekt unter die Lupe genommen und rät Anwendern zur Vorsicht.

Das Thema Linux auf dem Mainframe ist alles andere als neu. Bereits im Jahr 1999 kündigte IBM gemeinsam mit der damaligen Suse Linux AG und Turbolinux angepasste Versionen des Open-Source-Betriebssystems für die Big Irons an. Anfangs als Exotenthema belächelt, gibt es mittlerweile eine Reihe großer Installationen in Anwenderunternehmen. Mit den vielfältigen Virtualisierungsoptionen, die vor allem die Software z/VM und der Spezialprozessor Integrated Facility for Linux (IFL) bieten, haben sich für Unternehmen mit heterogenen Server-Landschaften neue Einsatzmöglichkeiten ergeben. IT-Verantwortliche können eine große Zahl voneinander abgeschotteter Linux-Instanzen auf dem Mainframe fahren und auf diese Weise dezentrale Server-Systeme konsolidieren.

Wie IBM interne Server konsolidiert

IBM konsolidiert mehrere tausend verteilte Server auf wenige Linux-Großrechner.
IBM konsolidiert mehrere tausend verteilte Server auf wenige Linux-Großrechner.
Foto: IBM

Eines der größten Projekte dieser Art läuft bei IBM selbst. Im August 2007 erklärte der IT-Konzern, rund 3900 verteilte Server auf 33 Mainframes an sechs Standorten unter Linux zu konsolidieren. In einem Zeitraum von fünf Jahren will der Hersteller damit 250 Millionen Dollar sparen. Die Umstellungsarbeiten sollen in der zweiten Jahreshälfte 2009 abgeschlossen sein. "Der Anstoß für die Konsolidierungspläne kam durch das Projekt Big Green", erläutert Klaus Bergmann, System Performance Engineer im Böblinger IBM-Labor. IBM will damit das Hype-Thema Green IT besetzen. Ziel ist es laut Bergmann, die Umweltverträglichkeit der intern genutzten IT-Systeme deutlich zu verbessern. Jedes Jahr investiere IBM dazu rund eine Milliarde Dollar.

Entscheidungsrelevante Informationen für die Server-Konsolidierung lieferte eine detaillierte TCO-Studie (TCO = Total Cost of Ownership), die IBM mit einem eigenen Tool erstellte. Demnach soll das Projekt bereits im ersten Jahr Kostenvorteile bringen. Laut Bergmann entstehen diese zum großen Teil durch niedrigere Personalaufwendungen für den Betrieb der Systeme. Zudem spare sich IBM die Modernisierung bestehender Server-Installationen. Im Vergleich zu den verteilten Servern fielen auf der konsolidierten Mainframe-Plattform weniger Softwarelizenzkosten an. Das liegt in erster Linie an den Lizenzmodellen der Softwareanbieter, die die Gebühren häufig an der Anzahl der genutzten Prozessoren ausrichten. Außerdem reduzieren sich den Angaben zufolge die Aufwendungen für Strom und die benötigten Stellflächen. IBM spricht von Kostenersparnissen in Höhe von 80 Prozent allein bei den Energiekosten.