Zahlungsverkehr in Europa

SEPA rückt näher - die IT muss bereit sein

24.04.2012 | von Silvia Lantenhammer
Der Euro-Zahlungsverbund macht eine Änderung der Zahlungsprozesse notwendig. Darauf müssen sich Business und IT gleichermaßen einstellen.
Foto: Fotolia/Stefan Balk

Das Thema Sepa (Single European Payment Area) kommt nur schleppend voran. Aber keine falsche Hoffnungen: über den Februar 2014 hinausgehendes Enddatum für Lastschriften und Überweisungen wird es nicht geben für Unternehmen oder aber mit entprechenden Kosten.

Einzelne Unternehmen haben sich mit einem "Sepa"-Projekt bereits über die Vorstudie hinausgewagt. Dabei fällt ihnen häufig auf, dass sie das Projekt unterschätzt haben. Sepa ist für uns Deutsche ein komplett neues Verfahren für den Zahlungsverkehr. Mit der Einführung des "Mandats" handelt es sich beim Zahlungsverkehr jetzt um einen unternehmensübergreifenden Prozess. Schließlich handelt es sich dabei um eine Vereinbarung zwischen dem Debitor, dem Kreditor und der Bank des Debitors.

Was ist SEPA?

  • Das Kürzel steht für Single Euro Payments Area, also für die Schaffung eines gemeinsamen Euro-Zahlungsverkehrsraums.

  • Es geht darum, den Zahlungsverkehr zwischen Euro-Ländern einheitlichen Verfahren und Standards zu unterwerfen.

  • Wie die Bundesbank mitteilt, ist das langfristige Ziel die Abschaffung der bisher genutzten nationalen Zahlungsverfahren.

  • Die Europäische Kommission, der Europäische Rat und das Europäische Parlament haben sich auf eine "Verordnung zur Festlegung der technischen Vorschrif­ten für Überweisungen und Lastschriften in Euro und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 924/2009" geeinigt.

  • Diese "SEPA-Verordnung" soll in diesem Quartal in Kraft treten. Darin ist unter anderem festgeschrieben, dass die nationalen Zahlverfahren für Überweisungen und Lastschriften am 1. Februar 2014 aus­laufen sollen. Eine Übergangsfrist für das elektronische Lastschriftverfahren ist bis zum 1. Februar 2016 vorgesehen.

Maschinelle Umstellung fehlerhaft

Die obligatorische Umstellung der Bankverbindungsdaten nach IBAN (International Bank Account Number) ist die erste Hürde, die genommen werden muss. Die Konvertierungs-Software hierfür ist noch nicht voll ausgereift: Aktuell werden bei der maschinellen Umstellung allenfalls 97 Prozent der Daten erkannt. Wenn die Datenbasis in die Millionen geht, was nicht selten vorkommt, bedeutet das einen erheblichen manuellen Aufwand zur Umsetzung und bedarf zum Teil der Auskunft des Kontoinhabers direkt. Zudem ist die Schar der Softwareanbieter noch recht überschaubar. Für die SEPA-XML-Dateien benötigen die Unternehmen EBICS als neues Übertragungssystem. Die Implementierung von EBICS ist bis Ende 2012 auszuführen.

Dann können Sie mit Ihrer Hausbank eine Testphase für die SEPA-Überweisungen abstimmen und sich auch über die Konditionen unterhalten. Für die Korrespondenzen sollten ab sofort Bankleitzahl (BLZ) und Kontonummer sowie IBAN und BIC ausgewiesen werden.

Der wirklich aufwändige Part eines SEPA-Projekts liegt jedoch in der Lastschrift. Hier ist ein "SEPA-Mandat" notwendig. Die Umwandlung der bestehenden Einzugsermächtigungen in SEPA-Mandate wird mit einer Änderung der Banken-AGBs möglich. Dabei ist es allerdings erforderlich, dass zu jedem Kontoinhaber eine gültige Adresse und eine in Papierform vorliegende, unterschriebene Einzugsermächtigung existieren. Bei Kundenbeziehungen, die seit mehr als 30 Jahren bestehen, ist vor allem letztere häufig nicht mehr auffindbar.

Zudem ist es notwendig, vor der ersten SEPA-Lastschrift fristgerecht den Kontoinhaber mit einer Pre-Notifaction anzuschreiben. Darin wird ihm mitgeteilt, dass seine Lastschrift nach Sepa umgewandelt ist und welche Rechte er hat. Für diesen Vorgang ist auf jeden Fall die korrekte Postanschrift vonnöten. Was aber tun, wenn zu einem Kunden mehrere Adressen vorhanden sind oder der Brief zurückkommt? Wer darauf noch reagieren will, sollte frühzeitig mit dem Kontoinhaber in Kontakt treten. Die Einzugsermächtigung kann jedenfalls nicht ohne Zustimmung des Debitors in ein SEPA-Mandat umgewandelt werden.

Newsletter 'CP Business-Tipps' bestellen!