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Sendmail besinnt sich wieder auf Open Source

05.04.2006
Sendmail Inc. will einige kommerzielle Zusatzprogramme für den Open-Source-Veteranen öffnen. Gleichzeitig erweitert die Firma ihr Portfolio geschlossener Software.

Sendmail wurde von Eric Allman bereits in der 80er Jahren als freie Software entwickelt. Ende der 90er Jahre entschloss sich der E-Mail-Pionier, das System stärker zu kommerzialisieren und gründete dafür die Firma Sendmail Inc. Das Kernprodukt blieb weiterhin Open Source, das Unternehmen bietet dafür ergänzende kommerzielle Tools sowie Services an.

Anlässlich der LinuxWorld Expo stellte Sendmail die neue Produktfamilie "Ecosys" vor und gab gleichzeitig bekannt, dass es einige der bisher geschlossenen Zusatzprogramme öffnen werde. Zur Diskussion stehen der "Sendmail Switch MTA" und der "Mailstream Manager". Beim Switch MTA handelt es sich um eine aufgebohrte Variante von Sendmail, die dank Cluster-Fähigkeit hochverfügbar und hoch skalierbar ist. Sie unterstützt eine Reihe von Sicherheitsfunktionen, darunter diverse Formen der Absender-Authentifizierung wie Domain Keys, Sender-ID und SPF. Der Mailstream Manager bietet ebenfalls zusätzliche Sicherheit durch Mail-Policies, Verschlüsselung und Schnittstellen für Anti-Spam- und Anti-Virus-Lösungen.

Reaktion auf freie Konkurrenz

Mit der Freigabe der kommerziellen Add-ons ist Sendmail Inc. offensichtlich bestrebt, seinen Open-Source-Server attraktiver zu machen. Ein nackter Mail Transfer Agent (MTA), der für unverzichtbare Aufgaben kostenpflichtige Erweiterungen benötigt, ist angesichts einiger neuer Konkurrenten nur bedingt wettbewerbsfähig - noch dazu, wo Sendmail als übermäßig kompliziert und in seiner Architektur als veraltet gilt. In den letzten Jahren verlor das System viele Anwender an den freien Rivalen "Postfix". Neuerdings treten noch weitere Kandidaten an, um Sendmail zu beerben. Dazu zählen Zimbra sowie Scalix, das mit seiner "Community Editon" eine kostenlose Groupware anbietet (siehe: "Exchange-Alternativen rollen an den Start").

Tools für heterogene Mail-Umgebungen

Die Ecosys-Produktreihe umfasst drei Tools, die sich auch zur Verwaltung von Systemen anderer Anbieter eignen. So kann das "Ecosys Directory" Informationen aus anderen Verzeichnisdiensten wie dem Namens- und Adressbuch von Lotus Notes oder dem Active Directory zusammenführen und auf dieser Basis Mail-Funktionen wie Routing, Gateway Defense und Policy Management erbringen. Der "Ecosys Auditor" kann Log-Informationen aus diversen Messaging-Systemen auslesen und auswerten. Der "Ecosys Commander" schließlich, der Mitte des Jahres auf den Markt kommen soll, dient als übergreifendes Administrationswerkzeug für alle Komponenten eines Mail-Netzwerks. (ws)