Open Source

Seltsamer Lizenz-Deal zwischen Amazon und Microsoft

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Der weltgrößte Online-Händler Amazon.com und Microsoft haben eine Überkreuzlizenzierung vereinbart.
Im E-Reader Kindle von Amazon.com arbeitet auch Open Source.
Im E-Reader Kindle von Amazon.com arbeitet auch Open Source.
Foto: Amazon

In deren Rahmen zahlt Amazon Geld an Microsoft dafür, dass es Open-Source-Software auf Basis von Linux in seinem E-Reader "Kindle" und seinen Servern verwenden darf. Wie viel genau Amazon dafür an Microsoft zahlen muss, ist nicht bekannt. Der Redmonder Softwareriese tituliert den Deal als "Überkreuzlizenzierung", in deren Rahmen er ebenfalls Zugriff auf Patente von Amazon erhält - welche das genau sind, bleibt im Dunklen.

Der Microsoft-Mitteilung zufolge arbeitet der Kindle teils mit quelloffener, teils mit von Amazon enwickelter proprietärer Software. Verfechter des Open-Source-Prinzips, das insbesondere im Fall Linux erfolgreiche Konkurrenzprodukte zu denen von Microsoft hervorgebracht hat, argwöhnen laut "Wall Street Journal" nun, dass Microsoft mit dem Deal erneut die Open-Source-Gemeinde verunsichern wolle. Microsoft erklärt schon seit Jahren, sein breites IP-Portfolio (Intellectual Property = geistiges Eigentum) umfasse auch Patente, gegen die Linux und andere Open-Source-Lösungen verstießen.

"Wenn diese Strategie nicht Unsicherheit rund um Linux erzeugen soll, was dann?" fragt beispielsweise Jim Zemlin, Director der nicht gewinnorientierten Linux Foundation. Viele Firmen verwenden Open Source für mobile Geräte bis hin zu Unternehmens-Applikationen. Zumindest theoretisch droht ihnen juristischer Unbill von Seiten Micrsosofts. Der Softwarekonzern muss hier allerdings sehr vorsichtig sein, eben weil so viele seiner Kunden und Geschäftspartner Freie und Open-Source-Software (FOSS) nutzen.

Der Microsoft-Justiziar Horacio Gutierrez erklärt jedenfalls in der Unternehmensmitteilung, die Übereinkunft mit Amazon zeige "unseren beiderseitigen Respekt für geistiges Eigentum und unser beider Fähigkeit, pragmatische Lösungen zu erreichen" in Patentfragen, unabhängig davon, ob es dabei um proprietäre oder quelloffene Software gehe. Sprecher von Amazon.com und Microsoft wollten die Vereinbarung ansonsten nicht weiter kommentieren.

Microsoft verwies noch darauf, dass es seit dem Start eines Patenlizenzerungs-Programms im Jahr 2003 ähnliche Deals bereits mit anderen namhaften Firmen wie Apple, Hewlett-Packard (HP) sowie Novell abgeschlossen habe.

Im vergangenen Jahr hatte Microsoft indes gegenüber dem niederländischen Navi-Hersteller TomTom einen härteren Kurs eingeschlagen. In einer Klage warf es TomTom vor, mit seinen GPS-Geräten auf Linux-Basis eine ganze Reihe von Microsoft-Patenten zu verletzen. TomTom seinerseits reagierte zunächst mit einer Gegenklage, die wiederum Microsoft die Verletzung von Patenten zur Last legte. Später verglichen sich die Unternehmen zu unbekannten Konditionen.