Snowdens Vorgänger

Selten ein Happy End für Geheimnisverräter

10.07.2013
Seit es Geheimnisse gibt, gibt es auch Leute, die sie verraten. Zuletzt standen Edward Snowden oder Bradley Manning im Mittelpunkt, die Misstände aufdecken. Im Kalten Krieg wurden oft Dinge an die Gegenseite verraten. Viele bezahlten einen hohen Preis.
Edward Snowden darf sich Hoffnung auf ein Leben in Freiheit machen.
Edward Snowden darf sich Hoffnung auf ein Leben in Freiheit machen.
Foto: YouTube / Guardian

Die Enthüllung der ausufernden Internet-Überwachung durch westliche Geheimdienste hat Edward Snowden von einem idyllischen Haus auf Hawaii in den trostlosen Transitbereich des Moskauer Flughafens gebracht. Der 30-jährige Amerikaner ist aber trotz der unklaren Zukunftsaussichten noch besser dran als einige seiner Vorgänger: Er kann sich Hoffnung auf ein Leben in Freiheit machen, während viele Geheimnisverräter mit langen Haftstrafen oder ihrem Leben dafür bezahlten. Manch einer kam aber auch davon.

So etwa "Deep Throat", der legendäre Informant, der eine zentrale Rolle im Watergate-Skandal spielte. Die "Washington Post"-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein bekamen bei geheimen Treffen in einem unterirdischen Parkhaus den Weg von einem einflussreichen Helfer gewiesen. Das ermöglichte ihnen, das volle Ausmaß der Affäre aufzudecken, die schließlich zum beispiellosen Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte. Die Identität von "Deep Throat" blieb über 30 Jahre lang eines der spannendsten Geheimnisse der amerikanischen Politgeschichte, bis sich der frühere FBI-Beamte Mark Felt schließlich selbst outete.

Während Felt im Schatten agierte, gab sich wenige Jahre zuvor Daniel Ellsberg als Quelle der "Pentagon-Papiere" zu erkennen, jener geheimen Dokumente, die der amerikanischen Öffentlichkeit düstere Seiten der Kriegsführung in Vietnam vor Augen führten und möglicherweise das Ende des Krieges beschleunigten. Er stand vor Gericht, wurde aber schließlich freigesprochen - unter anderem weil die Behörden ihn illegal bespitzelt hatten.

Der heute 82-jährige Ellsberg, dem seinerzeit bis zu 115 Jahre Gefängnis drohten, stärkte Snowden mit Blick auf dessen Flucht ausdrücklich den Rücken: "Das Amerika, in dem ich geblieben bin, war ein anderes Land." Snowden wäre heute wie der mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning für Jahre in einer Gefängniszelle verschwunden.

Snowden ist wie Felt, Ellsberg, Manning oder drei frühere Mitarbeiter des Abhördienstes NSA, die schon jahrelang vergeblich auf die ausufernde Datensammlung aufmerksam machen wollten, ein Whistleblower - jemand, der Geheimnisse verrät, um auf Missstände hinzuweisen. In den Jahrzehnten zuvor stand in der Konfrontation der Supermächte Sowjetunion und USA aber mehr ein anderer Typ von Geheimnisverräter im Mittelpunkt: Der Doppelagent oder Überläufer, der die Gegenseite versorgte.

Den Anfang in der Atom-Ära machten Julius und Ethel Rosenberg, ein Ehepaar, das Informationen über das amerikanische Nuklearwaffen-Programm nach Moskau lieferte. Die Rosenbergs wurden 1953 hingerichtet, lange galt als unklar, ob sie nicht zu Unrecht beschuldigt worden waren, erst Jahrzehnte später kam die Bestätigung durch ihre russischen Agentenführer. Mehr Glück hatte Kim Philby, ein ranghoher britischer Geheimdienstler, der nach jahrzehntelanger Arbeit für die sowjetische Auslandsspionage 1963 nach Moskau fliehen konnte. Dort war er allerdings bis zu seinem Tod 1988 zu einem abgeschirmten Leben zur Tatenlosigkeit verdammt.

Die Briten landeten einen ähnlichen Coup mit Oleg Gordijewski, einem Oberst des sowjetischen Geheimdiensts KGB, der für sie rund ein Jahrzehnt als Doppelagent arbeitete und sich 1985 im letzten Moment über die finnische Grenze in den Westen absetzen konnte. Der heute 74-Jährige wurde britischer Staatsbürger und schrieb mehrere Bücher über den sowjetischen Geheimdienst. Seine Familie sah er erst Jahre später wieder, dank persönlichen Drucks von Premierministerin Margaret Thatcher. 2007 soll er nach eigenen Angaben Ziel eines Giftanschlags aus Russland geworden sein.

Hinweise darauf, dass Gordijewski ein Doppelagent war, hatten die Russen von Alrich Ames bekommen, einem CIA-Mitarbeiter, der dem KGB jahrelang Geheimnisse verkaufte. Er wurde 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt. Einer der letzten Überläufer des Kalten Krieges war der amerikanische Marine-Offizier Glenn Souther, der sich nach jahrelanger Spionage für den KGB 1986 nach Moskau absetzte. Er nahm sich nur drei Jahre später mit 32 das Leben. (dpa/tc)