Seit letztem Jahr auf Einkaufstour Seagate stuerzt sich mit hohem Tempo ins Software-Business

14.07.1995

MUENCHEN (sc) - Seit dem vergangenen Jahr verfolgt der Plattenhersteller Seagate Technology Inc. eine Strategie der schnellen Diversifizierung. Ueber Firmenaufkaeufe - sechs Softwarehaeuser in den vergangenen 14 Monaten - und Beteiligungen wollen sich die Kalifornier im Softwaremarkt etablieren.

Der Hersteller von Massenspeichern tummelt sich seit etwa einem Jahr in fremden Maerkten: Software fuer Client-Server-Umgebungen soll als neues, weiteres Standbein fuer Wachstum sorgen. President und CEO Alan Shugart bezeichnet den Trend zur dezentralen Datenverarbeitung als Chance, die sich das Unternehmen nicht entgehen lassen will.

"Der professionelle Markt hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt: So gibt es heute zwar ausreichend Hardware fuer grosse Client-Server-Systeme, aber nach wie vor ein Defizit bei Daten-Management-Anwendungen und bei Entwicklungswerkzeugen fuer unternehmensweite Mission-critical-Applikationen", kommentierte der Seagate-Gruender zu Beginn der Uebernahmeserie den Einstieg in den Softwaremarkt.

So ging das Unternehmen fuer den Wechsel vom Peripheriehersteller zur "Data Technology Company" (Seagate ueber Seagate) auf Shopping- Tour in Sachen Software. Als erstes Objekt der Begierde landete die Crystal Computer Services Inc. im Mai 1994 im Korb der Kalifornier. Der Anbieter von Windows-basierten Report-Generatoren wechselte in Form eines Aktientauschs fuer 18,6 Millionen Dollar den Eigentuemer. Nach einer Beteiligung (25 Prozent, geschaetzter Wert: 20 Millionen Dollar) an der Dragon Systems Inc., die mit ihrem Programm zur Spracherkennung aus dem anvisierten Rahmen faellt, folgte im August 1994 die Palindrome Corp. Fuer das Unternehmen, das Daten-Management-Loesungen fuer Novell-Umgebungen und LANs entwickelt, machte Seagate 43 Millionen Dollar Abschreibung fuer Forschung und Entwicklung geltend.

Nahezu im Vorbeigehen sicherte sich das Unternehmen fuer sein angestammtes Geschaeft mit Massenspeichern zudem die Applied Magnetics Corp. sowie eine Beteiligung an der Sundisk Corp.

Weiter ging der Einkaufsbummel Anfang 1995, als mit der Network Computing Inc. eine Agent-basierte Netz-Management-Software fuer Novell erworben wurde. Einen Monat spaeter erweiterte Seagate mit Netlabs die Zahl der Toechter, und mit dessen Netz-Management- Loesungen fuer Unix das Produktportfolio. Fuer die beiden Unternehmen setzte Seagate einmalige Abschreibungen in Hoehe von 12,78 Millionen Dollar an. Hinzu kamen im Mai die Frye Computer Systems Inc., ein Anbieter von Netz-Management-Utilities, sowie als vorerst letzter Neuerwerb Creative Interaction Technologies (CIT) - ein Unternehmen, das als Kaufanreiz Batch-Schedule-Programme fuer Client-Server-Umgebungen zu bieten hatte. Zu CITs Staerke gehoere ein breites Wissen im Bereich Agent-basierter Technologien sowie Windows-Know-how, das auch Seagates anderen Softwaretoechtern zugute kommen solle, erklaert Steve Luczo, Executive Vice-President of Corporate Development und Chief Operating Officer des Geschaeftsbereichs Software.

Dass dies nicht die letzte Akquisition von Seagate sein wird, darauf laesst schon die auch nach den Einkaeufen noch gut gefuellte Kriegskasse schliessen: Eine Milliarde Mark hat Shugart, wie er einmal verlauten liess, fuer Diversifikation und Expansion vorgesehen. Ueber die drei vor einigen Wochen neu definierten Unternehmensbereiche Speicherprodukte, Komponenten und Software werden nach den Vorstellungen des Company-Chefs bis 1999 etwa sechs Milliarden Dollar in die Kasse kommen; 1994 nahm Seagate 3,5 Milliarden Dollar ein.

Mit den Uebernahmen verfuegt das Unternehmen ueber ein Portfolio an Nischenprodukten fuer den Client-Server-Markt. Ob sich damit in diesem Marktsektor die fuer 1999 gewuenschte Umsatzmilliarde erreichen laesst, haengt nach Analystenmeinung von der Faehigkeit des Herstellers ab, die Produkte der Firmen aufeinander abzustimmen.

"Sie muessen sich der Integration widmen", gibt Gartner-Group- Analystin Clare Garry zu bedenken. "Sie haben Unternehmen mit Synergie-, aber auch mit Konfliktpotential gekauft. Die Integration ist nicht so einfach: Man muss Produkte, Unternehmenskulturen und Marktpraesenz unter einen Hut bringen."