Seid begraben, Milliarden!

21.09.1990

Trotz milliardenschwerer Förderung scheint es weder den USA noch Europa zu gelingen, die in der Halbleitertechnik entstandene technologische Lücke zwischen ihnen und Japan zu schließen. Die Joint-European-Submicron-Silicon-Initiative (Jessi) zum Beispiel gerät durch den Ausstieg eines Unternehmens aus nur einem - zugegebenermaßer großen - Projekt in die Krise. Die Diskussion um Sinn und Zweck dieser Aufholfjagd wird durch die Kunde von ständig neuen technologischen Durchbrüchen in Japan immer wieder aufgehetzt. Zu Recht! Welchen Sinn hat es denn, unter Einsatz von Milliarden Mark, Franc, Englischen Pfunden und US-Dollars Technologien nachzuentwickeln, mit denen andere schon längst Geld verdienen?

Auch ist die Annahme falsch, nur mit einer europäischen oder amerikanischen Halbleiterproduktion von Chips der jeweils neuesten Generation bliebe die Unabhängigkeit europäischer und amerikanischer High-tech-Unternehmen von Nippons bösen Söhnen gewahrt, die dem Westen mit Hilfe ihrer Halbleiter den technischen Lebenssaft abdrehen wollen. Diese Auseinandersetzung ist längst entschieden. Auch die Kooperation zwischen der Siemens AG und der IBM, die gemeinsam den 64-Megabit-Speicher entwickeln wollen, wird diese Abhängigkeit nicht auflösen, sondern im besten Falle mildern.

Heute sollten die Forschungsaktivitäten vielmehr darauf richtet sein auf dem Schlachtfeld von Morgen - der Herstellung von hochintegrierten Endgeräten für Datenverarbeitung und Kommunikation die strategisch wichtigen Positionen zu besetzen.

Schließlich kann man doch dem Steuerzahler nicht zumuten, weitere Milliarden für die nutzlose Entwicklung von Chips zu begraben, die ihren Wert schon verloren haben bevor sie auf den haben Markt kommen. Denn dann kommen auch die Endgeräte, n die

sie eingebaut werden sollten, bereits aus Japan.