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SEC nimmt Bilanzpraktiken von Spieleherstellern ins Visier

21.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-Börsenaufsicht SEC interessiert sich offenbar für die Art und Weise, wie Spielehersteller ihre Einnahmen verbuchen. US-Medienberichten zufolge erklärten drei große US-Anbieter von Videospielen, Acclaim Entertainment, Activision und THQ, sie hätten eine Anfrage der SEC erhalten. Die Börsenaufsicht habe darin im Rahmen einer formalen Untersuchung um weitere Informationen zu ihren Bilanzierungspraktiken gebeten, hieß es.

Die Untersuchung könnte allerdings noch weitere Kreise ziehen: So teilten Activision und THQ mit, die Ermittlungen betreffe "bestimmte Spielesoftwarehersteller und ihre Distributoren". Fokus sei die Umsatzverbuchung. Activision wies zudem darauf hin, es ginge um bestimmte, für die Branche typische Bilanzierungspraktiken. Laut SEC dürfe die Untersuchung aber nicht als Zeichen dafür gedeutet werden, dass eine Rechtsverletzung der Companies vorliegt.

Die Mitteilungen der drei Unternehmen bieten reichlich Raum für Spekulationen. So glauben einige Branchenkenner, dass die als "Stuffing the Channel" bekannte Methode zur künstlichen Umsatzsteigerung auch Spieleherstellern vertraut ist. Dabei liefert ein Unternehmen kurz vor Quartalsende mehr Produkte als benötigt an seine Vertriebspartnern aus und verbucht die dabei erzielten Einnahmen. Der Company gelingt es kurzfristig, ihre übertrieben optimistischen Umsatzprognosen einzuhalten. Um zu verhindern, dass die zurückgegebene Ware die Umsätze in den Folgequartalen belastet, arbeiten einige Unternehmen zudem mit einer schwarze Kasse.

In einem konkreten Fall ermittelt die SEC derzeit gegen den Spieleanbieter Take 2 Interactive ("Grand Theft Auto"). Das Unternehmen korrigierte im vergangenen Jahr die Bilanzen von sieben Geschäftsquartalen. Take-Two strich unter anderem im Jahr 2000 15,4 Millionen Dollar Einnahmen aus seinen Büchern. Diese wurden als Umsatz deklariert, obwohl die Distributoren die ausgelieferten Spiele in den darauffolgenden Quartalen wieder an das Unternehmen zurückschickten. (mb)