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SEC nimmt AOLs Methoden zur Kundenzählung ins Visier

30.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Internet-Service-Provider America Online (AOL) aufgefordert, Unterlagen über dessen Sammelabo-Programme bereitzustellen. Die Behörde ermittelt bereits gegen AOL wegen möglicher Manipulationen bei der Verbuchung von Werbeeinnahmen.

Wie das "'Wall Street Journal" berichtet, hatte der Online-Dienst im Jahre 2000 damit begonnen, Unternehmen wie Target, Sears oder J. C. Penney Online-Zugangspakete zum Stückpreis von ein bis drei Dollar je Monat zu verkaufen. Diese boten die AOL-Konten dann ihren Angestellten für zehn Dollar je Monat an. Dem Artikel zufolge wertete der Online-Dienst dabei die Zahl der an die Firmen verkauften Konten als Kundenneuzugänge, selbst wenn ein Unternehmen nicht alle Abonnements an den Mitarbeiter brachte. In den vergangenen zwei Jahren soll AOL mit dem so genannten Bulk-Subscription-Program mindestens 830.000 Kunden auf diese Weise hinzugewonnen haben, das sind rund 17 Prozent der neugeworbenen fünf Millionen Nutzer in diesem Zeitraum.

Was die Billigzugänge betrifft, hielt sich der Online-Dienst bislang offiziell weitgehend bedeckt. Im Geschäftsbericht 2001 erklärte die Company lediglich, die positiven Auswirkungen der Gebührenerhöhung seien teilweise durch den steigenden Einsatz von Marketing-Programmen zur Werbung von Neukunden amortisiert worden. In diesem Zusammenhang erwähnte AOL dabei auch die Vergabe verbilligter Nutzer-Accounts an strategische Partner. Offenkundig wurde die Angelegenheit erst, als AOL in der vergangenen Woche die Schließung von 380.000 Online-Zugängen wegen unbezahlter Rechnungen oder sonstiger Vergehen bekannt gegeben hatte. Der für America Online and Time zuständigen Manager, Don Logan erklärte dazu, die Bereinigung der Kundendateien um diese Kunden habe zu dem überraschend hohen Rückgang im zweiten Quartal geführt (Computerwoche online berichtete).

(mb)