Was dem Software Defined Networking noch fehlt

SDN am Scheideweg

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
SoftwareDefined Networking gilt eine Technologie, die die Netz grundlegend verändern könnte. Hardware-Anbieter wie Cisco, HP, Brocade, IBM, Huawei und Juniper suchen allerdings noch nach der richtigen Strategie, um SDN mit ihren Produkten zu kombinieren.
Immer mehr Carrier und Unternehmen beginnen mit SDN-Test oder setzen virtuelle Netze bereits zu RZ-Kopppelung ein.
Immer mehr Carrier und Unternehmen beginnen mit SDN-Test oder setzen virtuelle Netze bereits zu RZ-Kopppelung ein.
Foto: Telekom

Manche Diskussionen über Netzwerk- und IT-Technologien ähneln in frappierender Weise denen, die in völlig anderen Bereichen stattfinden - etwa im Rahmen von Koalitionsverhandlungen zwischen Parteien oder auf EU-Gipfeltreffen. Da werden Nebelkerzen gezündet, taktische Winkelzüge angesetzt, Koalitionen geschmiedet und Verzögerungsstrategien entwickelt. Ein vergleichbares Bild bietet sich derzeit bei Software Defined Networking (SDN) und Network Function Virtualiziation (NFV), dem Pendant zu SDN für den Einsatz in den Netzwerken von Carriern und Service-Providern.

Im Jahr 2018 werden laut einer Studie von Plexxi, SDN Central und Lighthouse Venture weltweit SDN-Produkte im Wert von 35,6 Milliarden Dollar im Einsatz sein. Dies deckt sich in etwa mit Zahlen der amerikanischen Marktforschungsgesellschaft ACG.
Im Jahr 2018 werden laut einer Studie von Plexxi, SDN Central und Lighthouse Venture weltweit SDN-Produkte im Wert von 35,6 Milliarden Dollar im Einsatz sein. Dies deckt sich in etwa mit Zahlen der amerikanischen Marktforschungsgesellschaft ACG.
Foto: Plexxi / SDN Central / Lighthouse Venture Partners

Der Grund für die "Politisierung" der Debatte um SDN sind die gravierenden Auswirkungen, die eine breite Akzeptanz der Technik für etablierte Anbieter von Netzkomponenten wie Switches und Routern haben könnten. Die Protagonisten der "reinen SDN-Lehre" plädieren für eine Netzwerkinfrastruktur, die auf Standard-Hardware beruht, sprich x86-Servern. Diese preisgünstigen Systeme übernehmen in Verbindung mit SDN-Controllern die Funktionen, die bislang die kostspieligen und vor allem proprietären Switches mit ebenso handgestrickten und gut abgeschotteten Betriebssystemen spielten.

Besser den Tiger reiten ...

Vor allem Cisco Systems ist bedingt durch SDN nach wie vor unter Druck. Das Unternehmen hatte laut IDC im vergangenen Jahr einen weltweiten Umsatzanteil von etwa 62 Prozent bei Ethernet-Switches und an die 67 Prozent bei 10-Gigabit-Ethernet-Systemen. Eine Technologie wie SDN, die ohne proprietäre Switches und Betriebssysteme auskommt, ist daher eine Bedrohung für die Hersteller solcher Systeme - und zwar nicht nur für Cisco.

Das Ziel von OpenDaylight: die Schaffung eines SDN-Frameworks, inklusive eines auf Open-Source-Software basierenden SDN-Controllers.
Das Ziel von OpenDaylight: die Schaffung eines SDN-Frameworks, inklusive eines auf Open-Source-Software basierenden SDN-Controllers.
Foto: OpenDaylight Consortium

Kein Wunder, dass Switch-Hersteller nach dem Motto verfahren, besser den Tiger reiten, als von ihm gefressen werden. So hat Cisco das OpenDaylight-Konsortium ins Leben gerufen - und gibt in dieser Herstellervereinigung klar den Ton an. Das Ziel von OpenDaylight: die Schaffung eines SDN-Frameworks, inklusive eines auf Open-Source-Software basierenden SDN-Controllers und einer offenen "Northbound"-Schnittstelle (Northbound Interface, NBI). Über das NBI lassen sich Anwendungen sowie sich Management- und Orchestrierungslösungen an eine SDN-Infrastruktur andocken.