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SCO zeigt umstrittenen Linux-Code - ein wenig

19.08.2003
Die SCO-Geschäftsführung hat erstmals öffentlich den angeblich von Unix übernommenen Linux-Code gezeigt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - SCO hat auf der Hausmesse SCOforum, die diese Woche in Las Vegas stattfindet, erstmals öffentlich den angeblich von Unix übernommenen Linux-Code gezeigt. Chris Sontag, Senior Vice President und General Manager der IP-Unit SCOsource, legte in einer Präsentation identischer Linux- und Unix-Programmzeilen dar, dass zahlreiche Kommentare, unübliche Schreibweisen und sogar typographische Fehler wörtlich von Unix kopiert worden seien. Das meiste des Unix-Codes blieb allerdings verdeckt. Wer sich genaueren Einblick verschaffen wollte, musste zuerst ein Stillhalteabkommen unterzeichnen.

Laut Sontag sei insbesondere in den Bereichen NUMA (Non Uniform Memory Access), SMP (Symmetrical Multiprocessing), RCU (Readcopy Update), JFS (Journal File System) und XFS (Extended File System) Unix-Code unverändert in Linux übernommen worden. Dabei handle es sich nicht nur um vereinzelte Zeilen. Alleine bei SMP sei ein Transfer von 829.000 Code-Zeilen festzustellen.

Geschäftsführer Darl McBride verteidigte auf der Veranstaltung die Strategie seines Unternehmens. SCO kämpfe um das Recht von Unternehmen, Geld mit dem Verkauf von Software zu verdienen. Es sei so elementar wie das Recht, Kinder auf die Schule zu schicken.

Ob allerdings die Darlegungen SCOs überhaupt relevant sind, bleibt weiterhin zweifelhaft. Selbst wenn der Code von Unix nach Linux gewandert ist und nicht umgekehrt, ist in diesem Zusammenhang die juristische Bedeutung der GPL (Gnu General Public License) noch nicht geklärt. Unter dieser Lizenz, die die Veröffentlichung von Code und Programm-Modifikationen regelt, hat SCO von 1994 bis Mai dieses Jahres selbst eine Linux-Distribution vertrieben. Nach Ansicht von Open-Source-Verfechtern hat das Unternehmen den umstrittenen Code damit selbst freigegeben.

Die mit einer Forderung von drei Milliarden Dollar beklagte IBM führt noch weitere Argumente an, die die Irrelevanz der SCO-Klage darlegen sollen. Demnach mische sich die Unix-Company unrechtmäßig in Kundenbeziehungen ein, indem sie Lizenzgebühren von IBM-Kunden verlange, die Linux nutzen. Außerdem verletze SCO vier Patente von IBM mit den Produkten "Unixware", "Open Server", "SCO Manager" und "Reliant HA" (Computerwoche online berichtete). (lex)