Streit um Unix und Linux

SCO muss 2,55 Millionen Dollar an Novell zahlen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
In den seit fünf Jahren schwelenden Rechtsstreitigkeiten um Unix und mögliche Konsequenzen für Linux-Nutzer steckt SCO eine weitere Niederlage ein.

Ein amerikanisches Bezirksgericht verurteilte SCO zu einer Zahlung von 2,55 Millionen Dollar an Novell. SCO habe Unix-Lizenzgebühren von Sun Microsystems eingehoben, die eigentlich Novell zuständen, erklärte Richter Dale Kimball vergangene Woche in einer 43-seitigen Urteilsbegründung. Schon im August 2007 hatte Kimball Novell die Rechte an Unix und UnixWare zugesprochen und damit die Grundlage für die aktuelle Entscheidung gelegt.

Die juristischen Auseinandersetzungen um Unix-Rechte begannen 2003, als SCO IBM verklagte. Der Vorwurf: IBM habe widerrechtlich SCOs geschütztes geistiges Eigentum an Unix System V verwendet und Teile des Codes in die Entwicklung des Open-Source-Betriebssystems Linux eingebracht. Diese Argumentation sorgte in der Linux-Szene für einige Aufregung, zumal SCO in der Folge auch Linux-Benutzer zur Kasse bitten wollte. Später griff SCO auch Novell an und erklärte, das Unternehmen behaupte fälschlicherweise, die Rechte an Unix zu besitzen. Dieser Vorwurf ist nach dem Urteil vom August 2007 vom Tisch.

Das Verfahren wurde zwischenzeitlichen unterbrochen, weil SCO im September 2007 Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts beantragte. Im Februar dieses Jahres kündigte SCO überraschend an, die Geschäfte mit Hilfe des privaten Investors Stephen Norris & Co. Capital Partners fortführen zu wollen. Der Finanzier habe für die Reorganisation des Softwareanbieters bereits 100 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.