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SCO droht deutschen Linux-Anwendern trotz Verbot

31.03.2004
Der frühere Suse-Manager Gregory Blepp ist SCOs neuer Mann fürs Grobe. Offiziell in Lindon, Utah, angestellt, versucht er hiesige Linux-Anwender zum Kauf von IP-Lizenzen zu bewegen.

SCO hat sich einen besonderen Trick einfallen lassen, um der Auflage aus einstweiligen Verfügungen und Vergleichen zu entgehen, wonach Mitarbeiter der deutschen Tochtergesellschaft diverse Vorwürfe gegen Linux nicht äußern dürfen. Neuer Mann fürs Grobe ist nämlich der einstige Suse-Manager Gregory Blepp, der zwar in München ein Büro hat, aber als Vice President International bei SCOsource in Lindon, Utah, angestellt ist. Er will jetzt die öffentliche Meinung gerade rücken, denn die habe bisher "die Linux- und Open-Source-Community vorgegeben".

Offensiv konnte Blepp bei einem "Kamingespräch" mit wenigen Journalisten allerdings kaum auftreten. Zu mager sind die Ergebnisse, die SCO bisher mit seinen Klagen gegen IBM und andere Linux-orientierte Unternehmen sowie gegen Anwender des quelloffenen Betriebssystems erreicht hat. Weltweit haben laut Blepp gerade einmal "30 bis 40 Unternehmen" eine IP-Lizenz unterzeichnet. Dabei hat SCO in zwei Schreiben an jeweils über 1000 Firmen gefordert, diese Lizenz zu erwerben, die pro Prozessor in den Linux-Servern 699 Dollar kostet. Dann seien sie vor Klagen sicher.

Es hat auch nicht gewirkt, dass SCO inzwischen die Linux-Anwender Autozone und Daimler-Chrysler verklagt hat. Blepp musste eingestehen: "Die IP-Lizenzumsätze in Deutschland sind Null." Keine einzige deutsche Firma habe sich auf die SCO-Forderung eingelassen. Auch das Unix-Geschäft "leidet". In Skandinavien habe er zu hören bekommen: "Dann verklagt uns halt!" Blepps Pech ist es, dass SCO nach europäischem Recht, im Unterschied zum US-amerikanischen, sofort beweisen müsste, dass - angeblich - SCO-eigener Unix-Code in Linux eingeflossen ist. "Ich habe die Beweise seit fünf Monaten hier", behauptet Blepp. Nur könne er sie nicht auf den Tisch legen, weil das US-Gericht im Verfahren gegen IBM verboten habe, "Dinge zu veröffentlichen, die den Prozess beeinflussen könnten". Das ist eine neue und durchaus kreative Ausrede.

Angesichts der bisherigen Erfolglosigkeit meint Blepp: "Wir behalten uns weitere Klagen vor." Und: "Der Bedarf für zusätzliche Aktivitäten hängt davon ab, wie wir in den Gesprächen [mit Anwendern] weiterkommen." Hierzulande aber habe SCO "niemanden im Visier, weil es die rechtliche Situation in Deutschland nicht erlaubt". In derzeitigen Gesprächen mit Unternehmen "wird auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen", nämlich auf den, an dem die Berechtigung von SCOs Beschuldigungen richterlich festgestellt sei. Dann werde man IP-Lizenzen verlangen und gegebenenfalls klagen.

Doch offenbar spüren viele Anwender keine Lust, sich mit Blepp überhaupt zu unterhalten. Dass ihn insbesondere die Behörden glatt ignorieren, lässt er anklingen: "Ich bin interessiert daran, auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene Kontakt aufzunehmen. Wenn ich die Chance bekomme, würde ich morgen im Flieger nach Berlin sitzen." Solange der Ruf nicht kommt, muss er sich mit Drohungen bescheiden: "Wenn sich Politiker zu Gunsten von Open Source erklären, ohne die Konsequenzen zu überdenken, halte ich das für gefährlich." Und zum Fall München: "Sobald die rechtlichen Möglichkeiten bestehen, werden wir unsere Möglichkeiten ausschöpfen." (ls)