Für 2001 wieder schwarze Zahlen im Visier

SCM schlittert ins Minus

09.03.2001
MÜNCHEN - Hohe Aufwendungen für den Ausbau des Retail-Kanals bescherten der SCM Microsystems Inc. mit Sitz im kalifornischen Fremont im Geschäftsjahr 2000 erneut Verluste. Von Andrea Goder*

"Das Jahr 2000 war das Jahr der strategischen Investitionen", versuchte Firmengründer und CEO Robert Schneider auf der Bilanzpressekonferenz in München die unbefriedigende Gewinnentwicklung zu begründen. Wie bereits 1999 musste das an der Nasdaq und am Neuen Markt gelistete Elektronikunternehmen auch im Geschäftsjahr 2000 eine Gewinnwarnung über die Nachrichtenticker schicken. Unter Berücksichtigung einmaliger Aufwendungen für Firmenwertabschreibungen belief sich der Nettoverlust auf 4,7 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 9,1 Millionen Dollar im Jahr 1999.

SCM Microsystems ist Anbieter von Smartcard-Lesegeräten, entwickelt Hard- und Softwarelösungen, die den Zugang zum digitalen Fernsehen, Internet und zu PCs sichern, und hat sich zudem im Bereich digitaler Videobearbeitung positioniert. Die in den verschiedenen Geschäftsbereichen angebotenen Produkte wurden noch vor einem Jahr vorwiegend über OEMs vertrieben. Laut Schneider war nach der Gewinnwarnung im Februar letzten Jahres jedoch eine Kursänderung erforderlich. "Die reine OEM-Schiene war uns zu gefährlich", räumte der CEO ein. Um die Retail-Präsenz zu verstärken und damit die Abhängigkeit von Großkunden zu verringern, habe SCM Microsystems im letzten Geschäftsjahr 60 Millionen Dollar für Firmenübernahmen lockergemacht.

Retail- und OEM-Geschäft gleich

Auf der Übernahmeliste standen das auf digitale Medien spezialisierte US-Unternehmen Microtech International und der holländische Entwickler von Smartcard-Lesegeräten 2-Tel B.V. Übernommen wurden außerdem die restlichen 49 Prozent an der US-Firma Dazzle Inc., einem Anbieter von Digital-Video-Editing-Lösungen. Durch den vor allem über Dazzle erfolgten Einstieg in den Endkundenmarkt hielten sich im letzten Jahr die Umsätze im Retail- und OEM-Geschäft bereits die Waage.

Auf Jahressicht erzielte SCM Microsystems Einnahmen in Höhe von 157,8 Millionen Dollar - ein Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 52,5 Millionen Dollar Umsatz legte das vierte Quartal das stärkste Wachstum hin (Vorjahreswert: 40,1 Millionen Dollar). Im gleichen Zeitraum erreichten allerdings auch die Verluste mit 6,2 Millionen Dollar eine neue Höchstmarke nach 6,1 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahr. Während in der Sparte "Digital Media" (40 Prozent) die Umsätze gegenüber dem Vorjahr nahezu stagnierten, entwickelten sich die Einnahmen im Geschäftsfeld "PC Network/Security" sogar rückläufig (zehn Prozent).

Umsatzdellen in wichtigen Produktbereichen machen es schwer, das Potenzial des deutsch-kalifornischen Unternehmens richtig einzuschätzen. "Die Akzeptanz unserer Technik steht erst am Anfang. Die Marktdurchdringung ist bislang gering", musste Schneider in München zugeben. Bereits vor einem Jahr ging der SCM-Chef davon aus, dass dem Unternehmen große Millionenaufträge - vorwiegend von namhaften amerikanischen PC-Herstellern - ins Haus stünden und der Durchbruch zum Massenmarkt in greifbarer Nähe sei.

SCM Microsystems erzielt heute 52 Prozent der Einnahmen in den USA, 16 Prozent in Asien und 32 Prozent in Deutschland. Wie viel die Kalifornier zuletzt in Deutschland umsetzten, dazu wollte Schneider keine Angaben machen. Für das Geschäftsjahr 2001 stellte sich der Firmenchef hinter die Prognosen der Analysten, die Einnahmen von 200 bis 225 Millionen Dollar erwarten, was einem Plus von 40 bis 50 Prozent entsprechen würde. Nicht beunruhigen lässt sich der SCM-Chef von den aktuellen Entwicklungen im amerikanischen Markt. "Wir merken von der Abschwächung der US-Konjunktur bisher nichts", behauptete Schneider.

Der Aktienkurs von SCM am Neuen Markt sackte nach Bekanntgabe der Ergebnisse leicht ein, er bewegt sich derzeit um rund 18 Euro, das Jahreshoch lag bei über 130 Euro. An der New Yorker Nasdaq konnte sich der Kurs auf gut 17 Dollar leicht erholen, in der 52-Wochen-Spitze wurde das Papier mit 130 Dollar bewertet.

*Andrea Goder ist frei Journalistin in München