IT-Arbeitsmarkt

Schweiß ist der Preis

29.11.1996

Es ist schwierig geworden", stöhnen fast schon routinemäßig Unternehmen und Berufseinsteiger, wenn man sie auf die Situation auf dem IT-Arbeitsmarkt anspricht. Das leuchtet nicht sofort ein. Niemals in den letzten drei Jahren war die Situation für Informatiker besser als heute. Das belegen sowohl die statistischen Zahlen - Zunahme der Stellenangebote gegenüber dem Vorjahr um 80 Prozent - als auch Aussagen von Personalchefs, die Mitarbeiter einstellen wollen. Und nicht nur ein paar wenige: Bei IBM, Andersen Consulting oder der Deutschen Bank sind es gleich mehrere hundert, und selbst Beratungshäuser wie CSC-Ploenzke und Integrata wollen immerhin 50 bis 100 junge Mitarbeiter neu an Bord nehmen.

Die Berufseinsteiger indes beklagen die große Konkurrenz untereinander und argwöhnen: Nur derjenige habe eine Chance, der in kürzester Zeit studiert hat, mindestens ein halbes Jahr US-Aufenthalt nachweisen kann, 24 Jahre alt ist und am besten auch noch Berufserfahrung mitbringt.

Die Betriebe ihrerseits sind oft darüber enttäuscht, daß viele Absolventen nicht wissen, was sie wollen, und keine oder falsche Vorstellungen vom Berufsleben haben. Klagt der Geschäftsführer eines kleinen Beratungsunternehmens: Die suchen eine Stabsstelle, bei der sie viel verdienen können und wenig Verantwortung übernehmen müssen. In dieses Bild paßt auch eine Schätzung, die auf dem Absolventenkongreß in Köln zu hören war. Danach macht sich gerade mal ein Prozent der Studenten selbständig, die anderen 99 Prozent suchen vor allem bei großen Unternehmen Unterschlupf.

Weil die Ansprüche bei Arbeitnehmern wie Arbeitgebern größer geworden sind, dauert es heute viel länger bis Bewerber einen geeigneten Job gefunden haben. Das kostet viel Arbeit. Aber so sieht die neue Realität auf dem Arbeitsmarkt aus, der sich jeder stellen muß.