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Schwaches Lizenzgeschäft verdirbt Siebel die Bilanz

27.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Aufgrund sinkender Softwareverkäufe und hoher Restrukturierungskosten hat Siebel Systems im zweiten Quartal 2005 einen Nettoverlust von 50 Millionen Dollar oder zehn Cent je Aktie verbucht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das kalifornische CRM-Softwarehaus (CRM = Customer Relationship Management) noch einen Überschuss von 7,5 Millionen Dollar beziehungsweise einen Cent pro Anteil ausgewiesen. Schuld an dem Einbruch waren in erster Linie Sonderaufwendungen in Höhe von 74,1 Millionen Dollar, die unter anderem im Zusammenhang mit dem Ende Juni eingeleiteten Restrukturierungsprogramm anfielen. Einmaleffekte ausgeklammert, erzielte Siebel einen Pro-forma-Gewinn von 700.000 Dollar beziehungsweise ein ausgeglichenes Ergebnis je Aktie. Von Thomson First Call befragte Analysten waren nach der Anfang des Monats ausgegebenen Umsatzwarnung vorbereitet (siehe auch: "Siebel steckt weiter in der Krise"). Trotzdem hatten sie im Schnitt mit einem bereinigten Gewinn von zwei Cent pro Anteil gerechnet.

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um vier Prozent auf 313,6 Millionen Dollar und lag damit im Rahmen der zuletzt von der Softwareschmiede erwarteten Spanne von 312 bis 314 Millionen Dollar. An der Wall Street hatten die Analysten im Durchschnitt mit 314,6 Millionen Dollar gerechnet. Im April war Siebel noch von Einnahmen zwischen 310 und 330 Millionen Dollar ausgegangen. Die Lizenzerlöse brachen um 20 Prozent auf 78,3 Millionen Dollar ein und lagen damit knapp über dem Umsatz von n 75 Millionen Dollar im vorangegangenen Quartal. Damals war der Wert allerdings auf das niedrigste Niveau seit Ende der 90er Jahre gefallen.

Er sei enttäuscht, aber nicht entmutigt, kommentierte der neue Siebel-CEO George Shaheen den Einbruch der Lizenzeinnahmen: "Wir alle wissen, dass es viel zu tun gibt." Schuld an dem Debakel trägt aus seiner Sicht vor allem die Vertriebsmannschaft, die zu viele potenzielle Deals bis zum Quartalsende vernachlässigt habe und letztendlich nicht genug Verträge zum Abschluss brachte.

Auch der Ausblick für das laufende dritte Quartal ist wenig erbaulich: Die Company rechnet mit Lizenzerlösen zwischen 75 und 85 Millionen Dollar - nach 104,6 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz wird auf 305 bis 315 Millionen Dollar geschätzt, als Ergebnis pro Aktie erwartet Siebel einen Gewinn zwischen zwei und drei Cent. Die Wall Street hatte bislang einen Profit von vier Cent pro Anteil bei 319 Millionen Dollar Umsatz prognostiziert. (mb)