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Schwaches Lizenzgeschäft und Commerce One drücken SAP-Gewinn

18.04.2002
Im ersten Quartal 2002 musste die SAP AG deutliche Gewinneinbußen hinnehmen. Die Hoffnung der Walldorfer liegt nun auf dem zweiten Geschäftshalbjahr.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP AG hat in ihrem ersten Geschäftsquartal 2002 zwar den Umsatz gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 1,66 Milliarden Euro steigern können, musste jedoch einen Nettogewinneinbruch von 40 Prozent auf 65 Millionen Euro hinnehmen und verfehlte damit die Prognosen der Analysten deutlich. Schuld an dem Gewinnrückgang ist vor allem das schwächere Softwarelizenzgeschäft sowie die 20-prozentige Beteiligung der Walldorfer an dem defizitären US-Anbieter Commerce One. Der Hersteller von E-Commerce-Software hatte erst vor zwei Tagen einen Nettoverlust von 221 Dollar für sein erstes Geschäftsquartal ausgewiesen (Computerwoche online berichtete). Ohne die akquisitionsbedingten Aufwendungen für den Erwerb von Top Tier und die Investitionsverluste durch Commerce One

beläuft sich das Konzernergebnis von SAP auf 121 Millionen Euro und liegt damit um vier Millionen Euro über den vergleichbaren Vorjahreszahlen.

Enttäuschend entwickelte sich das Geschäft mit Softwarelizenzen: Die Einnahmen sanken gegenüber dem ersten Quartal 2001 um zwölf Prozent auf 402 Millionen Euro. Der Produkt- und Beratungsumsatz konnte jedoch um sechs Prozent auf 999 Millionen Euro beziehungsweise um 18 Prozent auf 539 Millionen Euro gesteigert werden.

Trotz des schwierigeren Marktumfelds entspreche das erste Geschäftsquartal 2002 "im Großen und Ganzen" den Erwartungen des Konzerns, erklärte Vorstandssprecher Henning Kagermann. "Zu Beginn des Jahres sind Unternehmen in der Region Amerika Investitionen in Software sehr vorsichtig angegangen", von den europäischen Ergebnissen fühle sich SAP jedoch ermutigt. So wuchsen die Einnahmen im Emea-Raum (Europa, Naher Osten und Afrika) um elf Prozent auf 886 Millionen Euro. Die asiatisch-pazifische Region legte um vier Prozent auf 185 Millionen Euro zu. Von der Region Amerika, wo der Umsatz ohne Berücksichtigung der Währungseinflüsse nur um fünf Prozent (inklusive der Währungseinflüsse um sieben Prozent) anstieg, hatte sich SAP mehr erwartet.

Die Hoffnung des Standardsoftwareanbieters richtet sich nun vor allem auf das zweite Halbjahr. Der Markt für Softwarelösungen sei zwar nach wie vor herausfordernd, allerdings erweise sich Europa als "relativ stabil". Auch wenn US-Unternehmen nach wie vor eher zurückhaltend bei der Anschaffung neuer Software seien, hält SAP an seinem Ziel fest, im zweiten Geschäftshalbjahr deutlich stärkere Zahlen vorzulegen. Der Umsatz für das gesamte Jahr soll um rund 15 Prozent gegenüber 2001 steigen und die operative Marge soll um mindestens einen Prozentpunkt auf 21 Prozent verbessert werden.

Die SAP-Aktie sank im morgendlichen Handel am heutigen Donnerstag leicht um 1,3 Prozent auf 152,50 Euro (Stand: 10:26 Uhr).

SAP beruft Shai Agassi in den Vorstand

Unabhängig davon gab SAP die Ernennung von Shai Agassi zum neuen Vorstandsmitglied bekannt. Der Manager, der mit der Übernahme von Toptier zu der deutschen Softwarefirma stieß, leitet die seit kurzem zusammengelegten Tochterfirmen SAP Markets und SAP Portals (Computerwoche online berichtete). Wie die Walldorfer weiter mitteilten, firmiert dieser Geschäftsbereich künftig unter dem Namen "Collaborative Applications". (ka)