Schulungsangebot wird aufrechterhalten Finanzakademie bewahrt CDI durch Aufkauf vor dem Konkurs

19.08.1994

MUENCHEN (hp/gh) - Die Mitarbeiter des in Konkurs gegangenen DV- Schulungsanbieters Computer Data Institut (CDI) koennen aufatmen. Vergangene Woche hat sich mit der Deutschen Privaten Finanzakademie AG ein Kaeufer gefunden, der alle Beschaeftigten uebernehmen und das Schulungsgeschaeft uneingeschraenkt fortsetzen will.

Sechs Bewerber interessierten sich fuer CDI. Dazu gehoerte auch die Integrata AG, die bereits das Trainingsgeschaeft des Schulungsinstituts gekauft hatte. Letztendlich entschieden sich der Konkursverwalter und der Glaeubigerausschuss jedoch fuer die in Muenchen ansaessige Deutsche Private Finanzakademie AG. Das aus mehr als 40 Einzelgesellschaften bestehende Unternehmen ist auf die Aus- und Weiterbildung, Umschulung und Beratung in kaufmaennisch- wirtschaftlichen, technischen, handwerklichen sowie sozialen Bereichen spezialisiert und uebernimmt 75 Prozent der CDI-Anteile.

Die restlichen 25 Prozent

erwerben rund 80 CDI-Mitarbeiter, die sich in einer Gesellschaft Buergerlichen Rechtes (GBR) organisiert haben. Ueber den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der neue CDI-Eigentuemer uebernimmt, wie Finanzakademie-Vorstand Gernot Wappenhans vor der Presse erlaeuterte, die gesamte CDI- Belegschaft von rund 130 Angestellten. Auch das Schulungsangebot, das bundesweit an rund 20 Orten offeriert wird, soll ohne Einschraenkung aufrechterhalten werden. Lediglich die CDI- Niederlassung Bremen wird geschlossen. Dies habe aber nichts mit der Uebernahme zu tun. Als neue CDI-Geschaeftsfuehrung werden bis auf weiteres Wappenhans und sein Vorstandskollege Karl Prinz von Thurn und Taxis fungieren.

Anfang Mai hatte CDI in Muenchen Konkursantrag gestellt, nachdem die Banken die Kreditlinie nicht erweitert und bestehende Darlehen gekuendigt hatten. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Muenchen gegen den ehemaligen CDI-Geschaeftsfuehrer Wolfgang Pflanz wegen moeglicher Konkursverschleppung. Pflanz hatte sich schon vor Monaten mit Teilen der Belegschaft sowie dem Betriebsrat ueberworfen und nach Angaben von Insidern angesichts der Krise, die durch die ueberzogene Expansion in den neuen Bundeslaendern verstaerkt wurde, nichts unternommen.

CDI erwirtschaftete den Grossteil der Einnahmen durch Umschulungen. Das Trainingsgeschaeft, in dem Schulungen fuer Firmen angeboten wurden, kam jedoch aus dem Anfangsstadium kaum heraus und wurde an die Tuebinger Integrata AG verkauft. Zu den Spitzenzeiten, etwa im Dezember 1991, beschaeftigte das Schulungsunternehmen 400 Angestellte und noch einmal so viele freie Dozenten. Unterrichtet wurden bis zu 9000 Kursteilnehmer. 1991 betrug der CDI-Umsatz rund 140 Millionen Mark. Der Sparkurs der Arbeitsaemter liess aber schon ein Jahr spaeter die Einahmen auf 91 Millionen Mark sinken. 1993 waren es nur noch 50 Millionen Mark.

Dieser Umsatzrueckgang war neben den Investitionen in Ostdeutschland Ausloeser fuer die Krise von CDI. Zudem kam noch die staendige Mittelentnahme fuer Lizenzzahlungen an die Control Data Lizenz GmbH (CDL). CDL soll die von CDI entwickelten Handbuecher fuer einen sehr geringen Preis gekauft und sie wieder gewinnbringend an CDI zurueckvermietet haben. Zudem habe, so ein CDI-Insider, CDI an CDL Lizenzgebuehren in Hoehe von sechs Prozent pro Seminar zahlen muessen. Auf diese Weise seien zwischen Juli 1991 und Maerz 1993 etwa 16 Millionen Mark in die Kasse der CDL geflossen, an der der ehemalige

CDI-Geschaeftsfuehrer mit 22,5 Prozent beteiligt gewesen sei. Sowohl CDL wie auch die 100prozentige Tochter Computer Power Deutschland GmbH, der wiederum Pflanz vorstand, haben Konkurs angemeldet, der jedoch,

wie aus CDI-Kreisen kolportiert wird, mangels Masse abgelehnt wurde.

Zu den Vorgaengen bei CDI wollten die Verantwortlichen des neuen Eigentuemers offiziell nicht Stellung nehmen. "Dies verbietet mir mein Taktgefuehl und mangelnde Kenntnis", hielt sich Finanzakademie-Vorstand Wappenhans vielsagend bedeckt. In jedem Fall ist Ex-CDI-Geschaeftsfuehrer Pflanz, der noch vor kurzem eine Auffanggesellschaft unter dem Namen "CDI Modul-Training GmbH" gruenden wollte, endgueltig aus dem Rennen. Ueber den Aufkauf sowie ueber die Tatsache, dass die Arbeitsaemter bei Umschulungsmassnahmen wieder etwas freigiebiger sind, herrscht bei den meisten CDI- Mitarbeitern Erleichterung. Bereits im September will der Schulungsanbieter eigenen Angaben zufolge wieder drei Millionen Mark Umsatz machen.