Schnüffelsoftware spioniert PC-Anwender aus

01.07.2004
Von Martin Seiler
Big Brother is watching you! Mittels Spyware können Unbefugte detailliert überwachen, was Anwender an ihrem PC tun, und auf diese Weise auch Firmeninterna ausspionieren. Doch es gibt Tools, mit denen die Schnüffelprogramme gefunden und entfernt werden können.

Niemand lässt sich gern auf die Finger schauen. Leider gibt es jedoch immer wieder Personen, die es brennend interessiert, was andere an ihren heimischen PCs oder den Rechnern im Büro tun. Sogenannte Spyware befriedigt diese Neugier, der von vielen gefürchtete gläserne Anwender wird damit zur Realität.

Mittels Spyware lassen sich nahezu alle Aktivitäten eines Benutzers am PC erfassen und auswerten - der gläserne Anwender wird damit Realität.
Mittels Spyware lassen sich nahezu alle Aktivitäten eines Benutzers am PC erfassen und auswerten - der gläserne Anwender wird damit Realität.

Glaubt man einschlägigen Untersuchungen, können sehr viele bereits Opfer sein, ohne es zu wissen: So fanden der US-amerikanische Provider Earthlink und der Sicherheitsanbieter Webroot Software heraus, dass jeder dritte PC mit Spyware-Programmen verseucht ist. Für ihren "Spy Audit Report" haben die beiden Unternehmen eigenen Angaben zufolge bei zirka 1,5 Millionen PC-Scans mehr als 500.000 Spyware-ähnliche Programme gefunden, die auf den Rechnern mit oder ohne Kenntnis der Benutzer installiert wurden. Fast 134.000 von mehr als 420.000 allein im April überprüften Rechnern enthielten einen Trojaner oder ein Systemüberwachungs-Tool, etwa einen Keylogger.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen andere Untersuchungen. So wollen die Analysten von Harris Interactive bei einer im Auftrag des Herstellers Websense gestarteten Telefonumfrage unter US-amerikanischen IT-Experten im Frühjahr herausgefunden haben, dass 29 Prozent aller Rechner mit Spyware infiziert sind. Die Unternehmensberatung Mummert Consulting warnte im September 2003, dass jeder dritte Computerarbeitsplatz in deutschen Unternehmen mit Hilfe entsprechender technischer Maßnahmen überwacht wird. Und aus dem Pest Research Center des Herstellers Pestpatrol ist zu hören, dass über 85 Prozent aller deutschen Unternehmen mit Spionageprogrammen infiziert sein sollen. Die Gesamtzahl der im Umlauf befindlichen Überwachungsprogramme sei von Dezember 2003 bis März 2004 von 290.000 auf fast 550.000 angestiegen.

Diese Zahlen klingen drastisch, relativieren sich jedoch, wenn man bedenkt, dass es unterschiedliche Arten von Spyware gibt. Allgemein gesprochen handelt es sich dabei um Programme, die es ermöglichen, das Verhalten eines PC-Benutzers zu überwachen und anschließend auszuwerten. Die Bandbreite reicht dabei von einfachen Browser-Cookies über entsprechende Funktionen innerhalb von werbefinanzierten Hilfsprogrammen bis hin zu spezialisierten Lösungen, die entweder einzelne Aktivitäten wie zum Beispiel Tastatureingaben kontrollieren oder die komplette Überwachung eines Rechners und aller daran stattfindenden Aktivitäten erlauben.

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