Tauglichkeit für Deutschland ist noch umstritten

Schnelles drahtloses Verfahren könnte Festleitungen Konkurrenz machen

03.12.1998
MÜNCHEN (IDG/CW) - Für Unternehmen, die schnelle, aber dennoch billige drahtlose Übertragungsverfahren benötigen, ist eine Lösung in Sicht. Das Local Multipoint Distribution System (LMDS) erfreut sich in den USA bereits wachsender Beliebtheit und könnte auch hierzulande eine Alternative zu kabelgebundenen Techniken sein.

Bob Egan, Analyst bei der Gartner Group, ist sich sicher: Drahtlose Übertragungsverfahren sind im Kommen. "Nachdem 1997 geradezu eine Wireless-Apathie herrschte, nehmen in diesem Jahr immer mehr Anwender diese Technologien als echte Alternativen wahr. Spätestens mit dem Beginn des neuen Jahrtausends werden Funkübertragungsverfahren verstärkt zum Einsatz kommen." Neben der Funktechnik Cellular Digital Packet Data (CDPD) könnte seiner Meinung nach das Multipunkt-Breitbandverfahren LMDS eine Alternative zu kabelgebundenen Übertragungsarten wie Digital Subscriber Line (DSL), Frame Relay oder den Asynchronous Transfer Mode (ATM) darstellen.

Hohe Bandbreiten über Mikrowelle

LMDS nutzt Mikrowellensignale, um Sprache, Video oder Daten mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s über Frequenzbänder zwischen 27,5 und 31 Gigahertz zu transportieren. Der Vorteil des Verfahrens etwa im Vergleich zu ATM liegt vor allem darin, daß Anwendern auf diese Weise das Verlegen teurer Glasfaserleitungen erspart bleiben könnte. Obwohl bislang noch keine konkreten LMDS-Services von Carriern angeboten werden, gehen Analysten dennoch bereits von bis zu 70 Prozent Einsparungen gegenüber traditionellen Festleitungsdiensten aus, sollte sich die Technologie etablieren.

Allzulange müssen aber zumindest die amerikanischen Anwender nicht mehr auf das Verfahren warten. Die Federal Communications Commission (FCC) der Vereinigten Staaten hat bereits 864 von insgesamt 986 verfüg- baren Lizenzen für die Technologie vergeben. Ira Brodsky, President von Datacom Research, erwartet die ersten konkreten LMDS-Angebote für 1999. Seinen Angaben zufolge bieten etwa 25 Hersteller entsprechendes Equipment an. Jetzt müsse vor allem noch die Interoperabilität zwischen den einzelnen Komponenten getestet werden.

Mit auf den LMDS-Zug aufgesprungen ist beispielsweise das Unternehmen WNP Communications, das Geschäftskunden beispielsweise Virtual Private Networks (VPNs), Internet-Zugang, Sprachübertragungen und Virtual-LAN- (VLAN-)Services auf Basis von LMDS anbieten will. Unklar ist derzeit jedoch noch, ob und wann die Technologie in Deutschland zur Verfügung stehen wird. Ein Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) erklärte gegenüber der COMPUTERWOCHE, daß die von LMDS verwendeten Frequenzen keine Probleme darstellen würden. Sollte sich ein Unternehmen dazu entschließen, entsprechende Dienste hierzulande anzubieten, müsse der Frequenzbereich aber auf jeden Fall zuerst von der Behörde genehmigt werden. Diese Ansicht teilt Detlef Klostermann, Geschäftsführer der Funkconsult GmbH in Senden, nicht. Er weist darauf hin, daß die Frequenzen für Funk-LAN-Anwendungen in Übereinstimmung mit anderen europäischen Ländern fest definiert sind. Eine unproblematische Freigabe weiterer Frequenzbereiche hält er für unwahrscheinlich.