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Schnelles Arbeitspferd für die Geschäftswelt

27.02.2008
Von Handelsblatt 
Mit dem neuen Großrechner z10 will sich IBM in einem zwar etablierten, aber stagnierenden Absatzbereich neue Geschäftsfelder erschließen. Der z10 soll zwei bislang getrennte Welten der Informationstechnik zusammenführen.

MÜNCHEN. IBM setzt bei seiner am Dienstag vorgestellten neuen Großrechnerserie z10 auf eine neue Technik. "Mix Workload" das Zauberwort. Es bedeutet, dass die neue Klasse der Mainframe genannten Rechner anders als ihre Vorgänger unterschiedliche "Arbeitslasten" bearbeiten kann. Dieser Schritt ist eine Reaktion auf eine durch das Internet und die Globalisierung veränderte Arbeitswelt. Durch ein neues Maß an technischer Flexibilisierung sollen in einem zwar etablierten, aber stagnierenden Absatzbereich neue Geschäftsfelder erschlossen und so neue Kunden gewonnen werden.

Waren die bisherigen Großrechner von IBM speziell auf Geschäftsprozesse ausgerichtet, bei denen eine hohe Anzahl von Ein- und Ausgabeprozessen (Fachjargon I/O) bearbeitet werden sollen, so setzt der neue Rechnertyp auf die rasche Bewältigung verschiedener Aufgaben. So kann einerseits die neue Mainframeklasse weiter Arbeitspferd für eine hohe Anzahl an Transaktionen genutzt werden. Zusätzlich können aber auch rechenintensive Arbeiten bewältigt werden. Dies waren bisher in der Informationstechnik zwei getrennte Welten.

Ein Beispiel aus dem Alltag der Bank macht die Herausforderung einer veränderten Geschäftswelt deutliche. So werden vereinfacht ausgedrückt in den Rechenzentren der Banken täglich anfallende Vorgänge während des Tages gesammelt und dann in einer speziellen Bearbeitungsweise während der Nacht abgearbeitet. Im Fachjargon nennt man das Stapelverarbeitungen (Batch). Dies war bisher ein klassisches Feld für Mainframe-Maschinen, bei denen in einer Nacht kontrolliert Millionen von Transaktionen verarbeitet werden.

Durch die intensive Nutzung von Bankautomaten und noch stärker durch das Online-Banking im Internet sehen sich die Verantwortlichen der Banken durch eine völlig andere Charakteristik der Vorgänge herausgefordert. Am Bankautomaten muss das System sofort erkennen, ob der Bankkunde Geld auf seinem Konto hat und daher die gewünschte Summe bekommen kann. Gleiches gilt etwas für Überweisungen im Internet.

So treffen heute zwei völlig unterschiedliche Welten wie Feuer und Wasser in den Rechenzentren der Banken aufeinander: kontrollierte Stapelverarbeitung von Überweisungen und Echtzeitverarbeitung am Bankautomaten und im Internet. Dies ist die derzeit eine der größten technischen Herausforderungen in der Alltagwelt des Bankwesens.

Ähnliche technische Herausforderungen an schneller Echtzeitverarbeitung und begleitender Stapelverarbeitung von Geschäftsvorgängen finden wir etwa bei den Buchungen und Abrechnungen von Fluggesellschaften oder Reisebüros. An den Börsen werden große Rechner für den mathematisch gestützten Wertpapierhandel in Echtzeit eingesetzt, dessen Vorgänge dann später in Batch abgerechnet werden. In der Welt des Mobilfunks geht es vor allem darum, die weltweit enorme Zahl von bis zu vier Milliarden Nutzern im Jahr 2010 zu bewältigen - eine völlige neue Dimensionen mit ähnlichen Herausforderung an Echtzeit und Batch.

Technisch löst die IBM diese Aufgaben für "Mixed Workloads" durch einen speziellen Satz von Prozessoren an Board der Mainframes. Es werden zwar alle Chips halbleitertechnisch in einem Vorgang gefertigt, anschließend aber für verschiedene Aufgaben programmiert. Das schafft einerseits eine kostengünstige Herstellung dieser IBM-eigenen Mainframe-Prozessoren und bietet andererseits die gewünschte neue Flexibilität. So sorgen in den IBM-Mainframes zusätzliche Spezialisten als Helfer dafür, dass die eigentlichen Zentralprozessoren ihre Hauptaufgabe leisten können. Im Einzelnen sind das etwa ein Prozessor für die Linux-Anbindung (IFL - Integrated Facility for Linux), eine Java-Prozessor (zAAP - System z Application Assist Processor) und ein Datenbank-Helfer (zIIP - System z Integrated Information Processor). An dieser Entwicklung hat das deutsche IBM-Labor in Böblingen einen großen Anteil.