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Cloud Computing

"Schnelle Wertschöpfung, überschaubares Risiko und volle Kostentransparenz"

27.03.2017
Die Cloud ist längst mehr als eine Möglichkeit, performant Lösungen bereitzustellen. Sie ist dabei, die Art und Weise zu verändern, wie Unternehmen (zusammen)arbeiten. Im Interview stellt Jens Amail, Senior Vice President Cloud Solutions Europe, Middle East & Africa bei der SAP, die aktuellen Entwicklungen vor und ordnet die Bedeutung von End-to-End-Cloud-Lösungen ein.

Welche Rolle spielt die Cloud für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen?

Jens Amail: Durch die Digitalisierung bildet sich gerade eine neue Wirtschaftsära und damit entstehen einmalige Gelegenheiten für alle Unternehmen. Diese Chancen gehen weit über die Steigerung der Prozesseffizienz hinaus - ganze Geschäftsmodelle befinden sich im Umbruch. Die digitale Transformationverändert die Art und Weise, wie Unternehmen Mehrwert schaffen, mit ihren Kunden und Geschäftspartnern zusammenarbeiten und sich im Wettbewerb behaupten. Cloud-Lösungen sind durch ihre Agilität, Flexibilität und Skalierbarkeit aus unserer Sicht ein zentraler Enabler für digitale Transformationen. Deshalb investieren derzeit Unternehmen auf der ganzen Welt in die Cloud.

Was sind die Hauptvorteile von Cloud-Lösungen - für einzelne Abteilungen und für das ganze Unternehmen?

Jens Amail: Einer der zentralen Vorteile von Cloud-Lösungen ist, dass Unternehmen die Geschäftsvorteile unserer Anwendungen relativ schnell nutzen können, da die Implementierungszeiten im Vergleich zu On-Premise-Lösungen im Regelfall deutlich geringer sind. Darüber hinaus stehen Wirtschaftlichkeitsaspekte im Vordergrund: Unternehmen zahlen nur das, was sie tatsächlich nutzen und minimieren ihre IT-Kosten. Durch unsere Marktposition mit über 345.000 Kunden weltweit können wir Skalenvorteile realisieren, die zu einer signifikanten Reduktion der Betriebskosten unserer Kunden führen können. Schließlich profitieren Unternehmen in der Cloud auch von regelmäßigen Updates und schnelleren Innovationszyklen, die ohne größeren Aufwand realisiert werden können. Innerhalb der verschiedenen Geschäftsbereiche, etwa in Einkauf und Beschaffung oder im Personalwesen, ist es unser Anspruch, auch gegenüber spezialisierten Nischenanbietern eine führende Position im Markt einzunehmen. Gerade kürzlich wurden wir beispielsweise wieder von Gartner als Leader in ihrem Magic Quadrant für Talent Management eingestuft. Hier bieten wir regelmäßig Innovationen für das gesamte Spektrum an - von der Gewinnung von Mitarbeitern bis hin zum Gehaltsmanagement. In Summe bieten wir ein komplettes Portfolio an Lösungen, das es Unternehmen bereits heute ermöglicht, ihre gesamten Geschäftsanwendungen in der Cloud zu betreiben. Davon profitieren aktuell über 125 Millionen Nutzer weltweit.

Ist es besser, die optimalen Cloud-Anwendungen für spezifische Anforderungen einer Abteilung zu entwickeln oder eine vollintegrierte End-to-End-Lösung?

Jens Amail: Die Antwort suchen wir gemeinsam mit dem Kunden. Der Start in die Cloud erfolgt oftmals in einzelnen Geschäftsbereichen, sogenannten Lines of Business, kurz LoBs. Die Anforderungen einer digitalen Wirtschaft machen es aber für Unternehmen mehr und mehr erforderlich, schnell und ganzheitlich Innovationen zu realisieren. Das unterstützen wir mit SAP S/4HANA Cloud, dem "Digital Core" für vollintegrierte End-to-End-Lösungen. Hier bieten wir die nächste Generation von ERP in der Public Cloud an, mit der man aufwandsarm und flexibel Geschäftsmodelle anpassen und auf neue Herausforderungen reagieren kann. Dies wird unter anderem durch Echtzeit-Analysen und integriertem Machine Learning ermöglicht. Bei der Entscheidung unterstützen wir unsere Kunden mit individuellen "Point of Views", die Branchentrends, Benchmarks, mögliche Geschäftsvorteile und Umsetzungsvorschläge beinhalten.

Wie kann eine End-to-End Cloud-Lösung dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens in einer digitalen und globalisierten Wirtschaft zu erhöhen?

Jens Amail: Wir sehen große Effizienzpotentiale in integrierten End-to-End-Prozessen, die über einzelne Geschäftsbereiche im engeren Sinne hinausgehen. Hier bieten wir ganzheitliche Ansätze - beispielsweise auf dem Gebiet des "Total Workforce Management", das auf unseren SAP-SuccessFactors- und SAP-Fieldglass-Lösungen basiert. Darüber hinaus bieten Geschäftsnetzwerke weiterführende Potentiale zur Prozessoptimierung. Über eine offene Plattform verknüpfen diese Lösungen interne Geschäftsprozesse mit einem Partnernetz. Über unser Ariba-Netzwerk beispielsweise wickeln über zwei Millionen Unternehmen weltweit ein Transaktionsvolumen von täglich über zwei Milliarden Euro ab. Mehr als die Hälfte aller geschäftlichen Einkaufsentscheidungen fallen bereits digital.

Was sind die wichtigsten Entscheidungskriterien für Kunden und wer sollte bei Investitionsentscheidungen mitwirken?

Jens Amail: Für die Cloud sprechen die schnelle Wertschöpfung, das überschaubare Risiko und die volle Kostentransparenz. Darüber hinaus müssen natürlich die konkreten Ziele des Unternehmens berücksichtigt werden: Was möchte man in den verschiedenen LoBs erreichen? Wie sieht die Gesamtstrategie zur digitalen Transformation aus? Welche Kostenziele gibt es für den IT-Bereich? Hier ist es aus unserer Sicht hilfreich, die Potentiale auf Basis von Benchmarks zu quantifizieren und die Fortschritte messbar zu machen. Diesen Prozess unterstützen wir mit den bereits erwähnten "Point of Views" und Business Cases, die wir gemeinsam mit IT, dem Finanzbereich und den Fachabteilungen erstellen, um eine ganzheitliche Betrachtung der Investitionsentscheidung zu ermöglichen.

Auf welche Sicherheitsaspekte darf niemand verzichten? Ist es sehr aufwändig, die Normen von ISO27001 bis zur EU General Data Protection Regulation umzusetzen?

Jens Amail: Sicherheit ist natürlich ein Thema, das wir seit unserer Gründung sehr ernst nehmen. Insgesamt ist das Bewusstsein für die Bedeutung des Datenschutzes stark gewachsen. Interessanterweise entscheiden sich viele Unternehmen aber gerade wegen des Themas Sicherheit für den Einsatz unserer Cloud-Lösungen. Auf der einen Seite betreiben wir eine mehrfach ausgezeichnete Betriebs-Infrastruktur mit über 40 Data Centers in elf Ländern, unter anderen in China und in Russland. Wir verfügen über wichtige Zertifizierungen, wie die von Ihnen angesprochene ISO27001, und sind aktiv daran beteiligt, geltende Sicherheitsanforderungen und -standards weiter voranzutreiben und zu verbessern. Unsere Cloud-Lösungen sind konform mit aktuellen Datenschutzgesetzen und werden das natürlich auch im Bezug zur EU General Data Protection Regulation sein. Auf der anderen Seite profitieren unsere Kunden natürlich auch wirtschaftlich von unserem globalen Ansatz in der Cloud: SAP SuccessFactors beispielsweise ist für über 70 Länder lokalisiert und wir stellen mit einer Vielzahl von regelmäßigen Updates sicher, dass die jeweils aktuellen Anforderungen in Bereichen wie Datenschutz, Arbeitsrecht oder Steuern überall eingehalten werden.

Die SAP arbeitet unter anderem mit Apple an Anwendungen, die auf der SAP Cloud Plattform laufen. Welche Innovationen sind hier zu erwarten?

Jens Amail: Im Mai vergangenen Jahres haben wir den Ausbau unserer langjährigen Partnerschaft mit Apple angekündigt und erst kürzlich auf dem Mobile World Congress in Barcelona, dass der SAP Cloud Platform SDK für iOS Ende März verfügbar sein wird. Dies wird zweieinhalb Millionen SAP-Entwickler und dreizehn Millionen Apple Entwickler weltweit in die Lage versetzen, auf eine sehr effiziente Art und Weise Enterprise-taugliche Applikationen für Apple-Geräte zu erstellen. Die SAP Academy bietet hierfür entsprechende Trainings an. Wir sehen hier großes Potential für Innovationen, die von ersten Anwendern, wie beispielsweise FunderMax in Österreich, bestätigt werden. Darüber hinaus haben wir gerade den Ausbau unserer Partnerschaft mit Google verkündet, um unseren Kunden noch mehr Flexibilität in der Cloud zu bieten. Sie sehen: Wir setzen weiterhin auf ein starkes Eco-System.

Und zum Schluss: Die SAP möchte die innovativsten Cloud-Anwendungen liefern. Was tun Sie dafür, damit das so ist?

Jens Amail: Seit unserem Bestehen hören wir sehr genau auf unsere Kunden und richten uns an deren Anforderungen aus. Dazu setzen wir auf Co-Innovation, denn das bringt beide Seiten am schnellsten voran. Hierfür haben wir entsprechende Prozesse und Gremien etabliert, wie zum Beispiel Executive Advisory Councils für verschiedene Branchen. Darüber hinaus wächst das Eco-System für die SAP Cloud Platform stetig. Wir blicken optimistisch in die Zukunft und sind zuversichtlich, dass wir im Cloudbereich auch weiterhin stärker als der Markt wachsen werden.