Soziale Netze, Google, Facebook, Twitter

Schlechte Zeiten für Geheimnisse

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Thomas Köhler ist Autor des Buchs "Die Internet Falle". Im Gespräch mit COMPUTERWOCHE-Redakteur Jan-Bernd Meyer beschreibt er, was Betreiber von sozialen Medien wirklich wollen: unsere Daten.

CW: Sie sagen, bei Google, Yahoo, Facebook, Twitter und den meisten anderen sozialen Websites sei das Geschäftsmodell nicht der Betrieb einer Plattform. Vielmehr gehe es um die Verwertung der Daten von den Leuten, die sich auf diesen Seiten tummeln.

Thomas Köhler ist Autor diverser Standardwerke zu Internet- und Technologiethemen.
Thomas Köhler ist Autor diverser Standardwerke zu Internet- und Technologiethemen.
Foto: Joachim Wendler

KÖHLER: Es wird ja oft der Eindruck erweckt, als ob Betreiber, wenn sie solche Seiten ins Leben rufen, gar kein Geschäftsmodell haben. Erst später würden sie sich Gedanken über ein Geschäftsmodell machen. Meiner Meinung nach ist das falsch. Ich glaube, dass von vornherein klar ist, auf welches Geschäftsmodell diese Betreiber abzielen - nämlich auf den Verkauf von Nutzerdaten an die werbetreibende Industrie und in dem einen oder anderen Fall auch schon mal an behördliche Abnehmer. Der Nutzer ist bei solchen Plattformen eigentlich immer nur ein Datenlieferant und kein Kunde.

CW: Ist das bei allen Social-Media-Plattformen so?

KÖHLER: Eine Ausnahme sehe ich bei Xing. Da ist das Geschäftsmodell grundlegend anders. Xing bietet Nutzern einen Premium-Zugang an - einen kostenpflichtigen also. Damit wird die Plattform finanziert. Für Xing ist also der Druck, Daten zu verkaufen, nicht so groß.

CW: Xing ist ein deutsches Unternehmen, Facebook, Twitter & Co. sitzen in den USA. Sehen Sie da Zusammenhänge?

KÖHLER: In der Tat stammen die großen Betreiber sozialer Netze aus den Vereinigten Staaten. Jenseits des Atlantiks gibt es andere Vorstellungen von Datenschutz und Privatsphäre. Hier mit deutschen oder europäischen Maßstäben heranzugehen würde in die Irre führen.

CW: Sind denn die deutschen Bestimmungen zum Thema Datenschutz so viel rigider als in den USA? Ist es nicht vielmehr so, dass hierzulande zwar viel diskutiert wird, Verstöße gegen den Datenschutz aber am Ende meist keine Folgen haben?

KÖHLER: Ich bin kein Jurist, ich kann nur meine Beobachtungen mitteilen. Und ich stelle in der Tat fest, dass deutsche Unternehmen, die bisher gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen haben, nur mit vergleichsweise lächerlich geringen Bußgeldern belegt wurden. Das Datenschutzrecht, wie wir es hierzulande handhaben, ist ein zahnloser Tiger.

"Die Internet-Falle"

Foto: iStock, Feng Yu

Thomas Köhler ist ein bekannter Autor von Standardwerken zu Internet- und Technologiethemen und Geschäftsführer der CE21 - Gesellschaft für Kommunikationsberatung mbH in Bonn/München.

Zuletzt erschien von ihm das Buch "Die Internet Falle". Der Untertitel lautet: "Was wir online unbewusst über uns preisgeben und wie wir das World Wide Web sicher für uns nutzen können".

CW: Manche Unternehmen geben sich in Sachen Datenschutz ja auch gerne etwas ahnungslos.

KÖHLER: Mein Eindruck ist, dass sich gerade Web-2.0-Unternehmen in puncto Datenschutz oft mit dem Argument einer Startup-Kultur entschuldigen. Das ist aber bei Firmen, die schon Milliardenumsätze machen, eher seltsam. Da passt das Start­up-Argument nicht so ganz.

Im Prinzip kann gelten: Viele Unternehmen machen, was sie wollen, und schauen mal, wie weit sie gehen können. Werden sie erwischt, rudern sie wieder ein bisschen zurück, um das öffentliche Ansehen nicht zu sehr zu beschädigen. Ich sehe das Gebaren, das da an den Tag gelegt wird, durchaus kritisch.

CW: Sie hatten gesagt, dass Xing in puncto Datenschutz seriöser operiert…

KÖHLER: Wie gesagt: Es ist ein deutsches Unternehmen, das den hiesigen Datenschutzbestimmungen unterliegt. Prinzipiell muss sich jeder Nutzer von sozialen Medien aber darüber im Klaren sein, dass er die Hoheit über seine Daten zumindest zum Teil abgibt. Und dieser Prozess ist auch nicht wieder umkehrbar. Wem man da traut, ist individuell natürlich verschieden.