Mitarbeiterführung

Schlechte Noten für Chefs

29.02.2012
Viele Manager haben kein Händchen im Umgang mit Mitarbeitern, ihnen fehlen wichtige Führungsqualitäten. Das zeigt eine Studie von DDI.
Viele Chefs schneiden bei Beurteilungen durch ihre Mitarbeiter nicht besonders gut ab.
Viele Chefs schneiden bei Beurteilungen durch ihre Mitarbeiter nicht besonders gut ab.
Foto: contrastwerkstatt - Fotolia.com

Die Talent-Management-Beratung Development Dimensions International (DDI) befragte im Rahmen der Studie "Lessons for Leaders from the People Who Matter" weltweit 1279 Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung zu ihren Erfahrungen mit Vorgesetzten. 37 Prozent der Befragten sagten, sie seien nur manchmal oder niemals motiviert, ihr Bestes für ihre momentane Führungskraft zu geben. Die Studienteilnehmer gaben an, lieber einen Strafzettel, eine Erkältung oder einen schmerzhaften Kater hinzunehmen, als ein schwieriges Gespräch mit ihrem Chef zu führen.

Chefs demotivieren

Die Mehrzahl (53 Prozent) würde nach eigenen Angaben unter ihrem jetzigen Chef 20 bis 60 Prozent produktiver arbeiten, wäre dieser so gut wie der beste Vorgesetzte ihrer Laufbahn. Ein Viertel beziffert diesen Produktivitätszuwachs sogar auf 41 bis 60 Prozent. Umgekehrt glauben 45 Prozent der Studienteilnehmer, einen besseren Job als ihr momentaner Chef machen zu können. Andererseits wären aber auch nur 46 Prozent der Befragten bereit, diese Aufgabe selbst zu übernehmen. Vor allem zusätzlicher Stress, das hohe Maß an Verantwortung und der starke Erfolgsdruck halten die Mitarbeiter ab.

Von den Befragten, die angaben, momentan für die beste Führungskraft ihrer Karriere zu arbeiten, sind 98 Prozent zu ständigen Bestleistungen bereit. Unter denjenigen, die für den nach ihrem Empfinden schlechtesten Chef ihrer Laufbahn tätig sind, trifft das nur für elf Prozent zu.

Kein Führungswissen

"Unabhängig von Kompetenzen im Umgang mit aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen fehlt es Managern oft an den Grundlagen der Personalführung. Unternehmen müssen ihre leitenden Angestellten in den fundamentalen Führungsfähigkeiten schulen und Schwachpunkte ausmachen", folgert DDI-Deutschland-Chef Wolfgang Doerfler.

Was Berufstätige am meisten nervt: Nichts ist den meisten unangenehmer als ein schwieriges Gespräch mit dem Chef. Angaben in Prozent; Quelle: DDI-Studie "Lessons for Leaders from the People Who Matter", 2011-2012
Was Berufstätige am meisten nervt: Nichts ist den meisten unangenehmer als ein schwieriges Gespräch mit dem Chef. Angaben in Prozent; Quelle: DDI-Studie "Lessons for Leaders from the People Who Matter", 2011-2012

Im Detail berichten Beschäftigte, dass ihre Vorgesetzten selten oder sogar nie auf Anliegen eingingen, die den Arbeitsplatz betreffen (35 Prozent). Sie neigten ferner dazu, "Lieblingsmitarbeiter" zu bevorzugen (34 Prozent). 51 Prozent der Führungskräfte wollen nach Aussage ihrer Angestellten meistens oder immer alle Probleme selbst lösen, anstatt ihren Mitarbeitern dabei zu helfen, Lösungen eigenständig zu entwickeln. Zudem geben viele Vorgesetzte selten oder nie ein Feedback (45 Prozent). Etwa 55 Prozent der Befragten haben schon einmal überlegt, aufgrund ihres Chefs den Job zu wechseln. 39 Prozent haben diesen Schritt schon einmal gemacht. (hk)