CW-Kolumne

Schlechte Filme – aber in Ultra-HD

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Es ist ein altbekanntes Phänomen in der Softwarebranche, dass die Interessen der Anbieter und die Wünsche der Kunden oft weit auseinanderklaffen.

Kein Wunder: Wenn sich die Wachstumskurven der Softwarehersteller neigen, müssen sie sich etwas Neues ausdenken und es ihren Kunden schmackhaft machen – auch wenn sich diese mit anderen Themen herumschlagen. SAP oder Oracle beispielsweise sind zurzeit stark daran interessiert, ihre Mobile-, SaaS- und In-Memory-Lösungen an den Kunden zu bringen. Der hat zwar ein offenes Ohr, aber eigentlich drückt ihn der Schuh woanders. Bei SAP klopft er an, weil er seine bereits gekauften betriebswirtschaftlichen Lösungen erweitern oder effizienter betreiben möchte, bei Oracle, weil er ein Datenbankthema hat.

Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE
Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE

Manche Kunden fühlen sich vom Crossund Up-Selling-Eifer ihrer Softwalieferanten überfahren. Wer heute eine SaaSLösung für Human-Capital-Management oder CRM braucht, wer sich mit Mobile- Enterprise-Strategien oder Big Data beschäftigt, der ist schon in der Lage, die richtigen Anbieter zu ermitteln und eine saubere Ausschreibung hinzubekommen. Wenn er sich Integrations- oder Kostenvorteile verspricht, wird er sich auch an seinen Haus- und Hoflieferanten wenden, aber letztendlich wären die Budgetverantwortlichen dumm, wenn sie sich nicht ansehen würden, was der Markt sonst noch zu bieten hat. Softwarehäuser sollten genauer hinschauen, welche Bedürfnisse ihre Kunden haben. Konsolidierung der Softwarelandschaft, Lizenz-Management, Datenqualität – das sind seit Jahren Dauerbrenner.

Während die Softwarebranche von der Analyse unstrukturierter Daten schwärmt, haben heute die meisten Anwender nicht mal ihre strukturierten Daten im Griff. Manche sind regelrecht genervt, wenn sie daran denken, dass sie künftig mit In-Memory-Techniken die gleichen schlechten Ergebnisse auf den Bildschirm bekommen wie heute – nur schneller. Eine miese Fernseh-Show wird ja auch nicht besser, nur weil sie im Ultra- HD-Format gesendet wird