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Schlammschlacht zwischen Mobilcom und France Télécom geht weiter

28.02.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Streit zwischen der Mobilcom AG und ihrem Großaktionär France Télécom schlägt immer höhere Wellen. Einem Bericht der französischen Tageszeitung "Liberation" zufolge drängen inzwischen Regierungsmitglieder France Télécom zum Ausstieg. Da der französische Staat mit rund 54 Prozent beteiligt ist, befürchtet man, dass der TK-Konzern seinen bisherigen rund 4,2 Milliarden Euro hohen Investitionen in Mobilcom weiteres gutes Geld hinterher werfen muss. Die französische Tageszeitung schätzt die mögliche Belastung für France Télécom für den UMTS-Netzaufbau in Deutschland auf bis zu 15 Milliarden Euro. Der halbstaatliche TK-Konzern ist bereits mit rund 65 Milliarden Euro verschuldet.

Der Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter plant inzwischen, den Kooperationspartner aus dem Nachbarland wegen Verletzung vertraglicher Absprachen zu verklagen. Mobilcom wirft den Franzosen vor, entgegen der Absprachen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt in Konkurrenz zu treten. Grund sei laut Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch France Télécoms indirekte Beteiligung an New Radio Tower. Das Unternehmen vermietet unter anderem Mobilfunkstandorte und ist dabei auch in Deutschland aktiv. Um Spekulationen über die Unverbindlichkeit der Finanzierungszusagen von France Télécom zu entkräften (Computerwoche online berichtete), beabsichtigen die Norddeutschen nun, Teile der im Frühjahr 2000 getroffenen Kooperationsvereinbarung zu veröffentlichen. Das Unternehmen teilte mit, die Erklärungen des

französischen TK-Konzerns hätten den Kurs der Aktie negativ beeinflusst und somit große Schäden bei der Mobilcom AG und ihren Anleger verursacht. France Télécom hält bereits 28,5 Prozent an Mobilcom und besitzt die Option, 2003 die Mehrheit zu übernehmen.

Die Franzosen wiederum drohen mit dem Kadi, falls die Büdelsdorfer bis 7. März keine Klarheit über die Umstände des Aktienkaufs von Sybille Schmid-Sindram (Computerwoche online berichtete) schaffen können. Der Carrier verdächtigt seinen Kooperationspartner, er habe die von der Ehefrau des Mobilcom-Gründers und -Chefs Gerhard Schmid erworbene Beteiligung finanziert und damit seinerseits gegen das Abkommen verstoßen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, sieht sich France Télécom von den Verpflichtungen befreit.

Ursprünglich waren sich die beiden Unternehmen über die Finanzierungshöhe zum UMTS-Netzaufbau in Deutschland in die Haare geraten. Mobilcom geht davon aus, dass die mit 28,5 Prozent beteiligte France Télécom für die Finanzierung zuständig ist und fordert deshalb weitere rund 1,4 Milliarden Euro für den Netzaufbau. Der Carrier aus dem Nachbarland hält dagegen einige hundert Millionen Euro als Finanzspritze für realistisch (Computerwoche online berichtete). (mb)