Web

 

Scheitert die Gesundheitskarte schon beim Start?

15.09.2004

Der für Anfang 2006 geplante Start der elektronischen Gesundheitskarte steht auf der Kippe. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" konnten sich die beteiligten Vertreter von Krankenkassen, Ärzten und Apothekern bislang nicht über die Spezifikationen der Chipkarte einigen. Ursprünglich wollten die Parteien bis Ende September beispielsweise festlegen, welche Daten auf der Karte gespeichert werden sollen. Doch stehen offenbar unterschiedliche Interessen einer Einigung im Wege. So fordern zum Beispiel die Apotheker, möglichst wenige Informationen auf dem Chip vorzuhalten. Sie befürchten nach Einschätzung von Experten, dass viele Kunden die Karten so zum Einkauf bei preisgünstigeren Arzneiversandhändlern nutzen könnten.

Ob die Ausschreibungen für das Projekt wie ursprünglich geplant am 1. Oktober beginnen können, ist daher fraglich. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat laut Insiderinformationen für den 22. September eine Krisensitzung aller beteiligten Interessensvertreter in Berlin anberaumt. Hier will die SPD-Ministerin versuchen, einen Konsens zu finden, um das enge Zeitkorsett des rund 1,8 Milliarden Euro teuren Projektes nicht bereits beim Start platzen zu lassen. Experten sind jedoch skeptisch. Wenn das bisherige Entscheidungstempo beibehalten werde, könne der Januar 2006 nicht gehalten werden, warnte beispielsweise der gerade zurückgetretene Chef des Chipkartenspezialisten Giesecke & Devrient Willi Berchtold. (ba)