Scheer: Open BPM hilft aus der SOA-Falle

15.06.2007
Auch mit Service-orientierten Architekturen (SOA) drohe Anwendern die Gefahr proprietärer Softwareprodukte, warnte IDS Scheer auf seiner Kundenveranstaltung Aris ProcessWorld in Berlin. Abhilfe schaffe eine unabhängige Sicht auf Geschäftsprozesse, wie sie nur offene Business-Process-Management-Systeme (BPM) bieten könnten.

"SOA ist keine Vision mehr", erklärte der Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzende August-Wilhelm Scheer zum Auftakt der Aris ProcessWorld. "Die Produkte zum Aufbau einer SOA sind verfügbar." Der entscheidende Nutzen des Konzepts bestehe indes nicht darin, Kosten zu senken, wie dies vielfach kolportiert werde. Vielmehr gehe es für Unternehmen darum, ihr Business zu verbessern und neue Geschäftsideen und –modelle zu entwickeln. Zwar ermögliche eine SOA-basierende Infrastruktur die dazu nötige Flexibilität. Doch mit der Vielzahl an einschlägigen Produkten erwachse Anwendern eine neue Gefahr: Proprietäre Softwarelösungen könnten schnell zu einer Abhängigkeit vom Lieferanten führen und die erhofften Vorteile auffressen.

Firmengründer August-Wilhelm Scheer lästerte über die "proprietären" SOA-Produkte der Softwareanbieter.
Firmengründer August-Wilhelm Scheer lästerte über die "proprietären" SOA-Produkte der Softwareanbieter.
Foto: IDS Scheer

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, bedürfe es einer unabhängigen Sicht auf das Geschäft, argumentierte Scheer und schlug damit auch gleich die Brücke zu den Produkten seines Unternehmens. Notwendig sei eine eigenständige logische Ebene über der physischen Implementierung von Geschäftsprozessen. Sie stelle die Verbindung zu den unterschiedlichen proprietären Softwarelösungen her. Sein Credo: "Open SOA braucht Open BPM", anders ausgedrückt: Erst standardbasierende und von der technischen Prozessausführung unabhängige Systeme für das Business Process Management (BPM) erlauben den Aufbau einer offenen SOA. Das Konzept der Service-orientierten Architektur siedelt Scheer denn auch eher auf der Ausführungsebene an, eine Ansicht der nicht wenige SOA-Protagonisten vehement widersprechen dürften. Das erforderliche "Mapping" zwischen Geschäftsprozessen und einschlägigen Softwarelösungen funktioniere nur über Modelle, wie sie eben IDS Scheer offeriere (siehe auch: Business Process Management und SOA wachsen zusammen).

Thomas Volk, CEO der IDS Scheer AG, nutzte die ProcessWorld für eine Erfolgsbilanz und einen Ausblick auf die langfristige Strategie des BPM-Spezialisten: "IT-Investitionen sind heute nicht mehr von der besten Technik getrieben." Immer häufiger säßen Business-Verantwortliche mit im Boot, die den konkreten Nutzen der IT-Ausgaben sehen wollten. Volk: "Dieser Wandel treibt den Markt für Business Process Management." Mit seiner 23-jährigen Erfahrungen sei IDS Scheer in diesem Umfeld am besten aufgestellt. Der Manager verwies unter anderem auf eine Studie des Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC), die IDS Scheer in Auftrag gegeben hatte. Demnach würden 80 Prozent der befragten Unternehmen das Geschäftsprozess-Management als wichtiges Konzept anerkennen. Andererseits nutzten nur 10 Prozent der Unternehmen BPM strategisch, so der CEO. Daraus ergäben sich große Chancen für sein Unternehmen.

IDS Scheer baut Aris Platform aus

Schon seit längerem arbeitet das Saarbrückener Unternehmen daran, das Image des Anbieters von Modellierungs-Tools abzustreifen. Mit seiner Aris Platform deckt IDS Scheer mittlerweile auch die Themen Compliance, SOA und Enterprise Architecture ab. In Berlin machte Volk klar, wohin die Reise gehen soll: "IDS Scheer wird der Defacto-Standard für Business Process Management." Dies belegten Studien renommierter Marktforscher wie Gartner oder Forrester Research, die dem Unternehmen regelmäßig eine führende Position bescheinigten. Diese Bewertungen beziehen sich indes in den meisten Fällen auf Modellierungs- und Designaspekte. Im Forrester-Vergleich von integrationsorientierten BPM-Paketen taucht IDS Scheer beispielsweise nicht auf. Ähnliches gilt für einschlägige Gartner-Untersuchungen. Dessen ungeachtet warb Volk für das umfassende Aris-Portfolio, das den kompletten Lebenszyklus des Business Process Management abdecke, von der Strategie über das Design bis hin zur Implementierung und Überwachung (Monitoring) der Prozesse. Hinzu komme eine tiefe Integration mit den führenden Softwareplattformen der strategischen Partner, allen voran SAP und IBM.

Wolfram Jost, Vorstand für Produktstrategie und -entwicklung bei IDS Scheer, zog in diesem Kontext eine klare Trennlinie zu den breiten Portfolios der großen Softwarehersteller. Diese konzentrierten sich nach seiner Ansicht auf den technischen Aspekt von BPM und vernachlässigten die Business-Sicht. Neben dem kompletten BPM-Portfolio und der Integration mit den großen Plattformen spreche schließlich auch die Unabhängigkeit von Infrastruktur-Software für IDS Scheer. Jost: "Wir vertreiben keine eigene Middleware." Im Gegensatz zu den Branchenschwergewichten im BPM- und SOA-Umfeld verzichte IDS Scheer auch auf eine eigene Execution Engine zum Ausführen von Geschäftsprozessen. Dies würde die strategischen Partnerschaften beeinträchtigen. Andererseits führe diese Entscheidung dazu, dass die Aris Platform von Marktforschern häufig nicht als komplette BPM-Suite anerkannt werde.

Consulting und Business Process Management

Große Hoffnungen setzen die Saarbrückener auch in ihr Beratungsgeschäft rund um das Aris-Portfolio. Man werde die Anstrengungen auf diesem Feld vergrößern, erklärte der zuständige Vorstand Dirk Oevermann. Ziel sei ein profitables Wachstum. Dabei spielten vor allem der Bereich SAP Consulting und die branchenorientierte Aufstellung der Berater eine entscheidende Rolle. Auf der ProcessWorld kündigte IDS Scheer dazu Erweiterungen seiner "Global Managed Services" an. Unter der Bezeichnung "Aris Managed Services" kombiniert der Anbieter Service-, Support- und Outsourcing-Dienste für die Aris-Produkte. Dazu zählen unter anderem Lizenzmanagement, Software-Support, Hosting sowie operatives Management und Anwendungs-Management für Aris-Lösungen. Kunden wie BMW oder der Umweltdienstleister Veolia nutzten das Angebot bereits, erklärte Vorstandsmitglied Carsten Jörns.

Mehr zum Thema BPM und SOA finden Sie auch im SOA-Expertenrat der COMPUTERWOCHE. (wh)