CW-Kolumne

Schaufenster der Softwarebranche

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
B2B-Softwaremarktplätze sind en vogue. Viele Lieferanten von Business-IT, aber auch Anwenderunternehmen arbeiten daran oder sind längst gestartet. Unter den Herstellern sind die großen Softwarehäuser, die rund um ihre Produkte bereits seit Jahren Ökosysteme aus Partnern und Kunden etabliert haben, am besten positioniert. Vorbild dürfte Salesforce.com mit seiner 2006 eingeführten Plattform AppExchange sein.
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Die Marktplätze als kurzfristigen Trend abzutun wäre gefährlich. Apples App Store und der Android Marketplace haben einen Paradigmenwechsel bewirkt. Software wird künftig anders bezogen und verteilt als bisher. Der wesentliche Vorteil besteht im Ausliefern kleinteiliger, genau auf Nutzerinteressen abgestimmter Lösungen.

Kunden können in den Stores Dinge tun, die vorher nicht möglich waren. Sie entdecken neue Produkte oder Softwareerweiterungen, probieren sie aus und laden sie direkt herunter. Auch können sie mit anderen über Produkte reden und sich aufgrund deren Meinungen ein Urteil bilden. Marktplätze ermöglichen eine neue Shopping-Erfahrung. Das haben Hersteller wie Anwender erkannt. Jetzt sind sie dabei, die Schaufenster ihrer Softwaremärkte auszustaffieren.

Von IT-Anbietern betriebene App Stores führen zu mehr Transparenz für die Kunden. Wie aufgeräumt und sortiert sind die Auslagen? Wer bietet dort überhaupt seine Software feil? Ist vielleicht die Integrations- oder Schnittstellentechnik dabei, die ich gerade brauche? Wie setzt der Betreiber seine Partner in Szene? Vieles, was früher nicht sichtbar war, kommt auf dem Marktplatz ans Tageslicht.

Auch der Hersteller oder CIO hat Vorteile. Er kann einfach feststellen, welche Software gerade von wem gefragt ist. Auch lässt sich ermitteln, wie eine Software beurteilt wird. Und es können Diskussionen mit Partnern und Anwendern geführt werden, sofern entsprechende Community-Funktionen vorgesehen sind. Kein Zweifel: Der App Store als neues Distributionsmodell verändert die Softwarelandschaft. Wohl dem, der ein gut sortiertes Angebot zeigen kann.