SBS bereitet Mitarbeiter auf tiefe Einschnitte vor

12.07.2006
Um die Siemens-Tochter ist es schlechter bestellt als bislang öffentlich wurde. Das Management hält dennoch an den Renditezielen fest.
SBS-Bereichsvorstand Christoph Kollatz: "Als selbständiges Unternehmen wäre SBS bereits in Konkurs."
SBS-Bereichsvorstand Christoph Kollatz: "Als selbständiges Unternehmen wäre SBS bereits in Konkurs."
Foto: SBS

Hohe Kosten, komplexe Organisation, mangelhafte Qualität, fehlende Strategie und ein Verbrauch an Barmitteln von einer Milliarde Euro innerhalb von neun Jahren - die aktuelle Geschäftsführung von Siemens Business Services (SBS) stellt vorherigen Management ein verheerendes Zeugnis aus. "Als selbständiges Unternehmen wäre SBS bereits in Konkurs", heißt es in einem internen Konzeptpapier der Unternehmensleitung um Bereichsvorstand Christoph Kollatz, das der COMPUTERWOCHE vorliegt. Seit seinem Amtsantritt im September 2005 (siehe auch SBS-Chef von Hammerstein und 2400 Mitarbeiter gehen vom 19.09.2005) hatte sich der Siemens-Manager in das Studium der finanziellen Daten zurückgezogen und sich weder Mitarbeitern noch Öffentlichkeit gegenüber erklärt. Was er in den Büchern entdeckte, war offenbar schlimm.

"Der Fokus lag auf Auftragseingang und Umsatz", bemängelt das interne Schreiben die Tendenz, sich auch dann auf Projekte einzulassen, wenn keine Aussicht auf Gewinne bestand. "Wir werden nicht akzeptieren, wenn beispielsweise Projekte nicht wirklich durchdacht und ohne Marge sind", teilt Kollatz nun mit. Insbesondere in Deutschland seien zudem die Kosten zu hoch. Ulrich Assmann, Chef der hiesigen und größten SBS-Landesgesellschaft rechnet vor, dass die eigenen Mitarbeiter im Durchschnitt sieben Prozent teurer sind als die der tarifgebundenen Wettbewerber. Insgesamt ergebe sich beispielsweise im Projektgeschäft ein Kostennachteil von 27 Prozent. SBS habe strukturelle Nachteile durch einen niedrigen Offshore- und Low-Cost-Onshore-Anteil, kann daher also in Kundenprojekten kaum auf günstige ausländische und heimische Arbeitskräfte zurückgreifen.

Inhalt dieses Artikels