"Enron von Indien"

Satyam soll in Kürze verkauft werden

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Verlässliche Zahlen zur wirtschaftlichen Situation des angeschlagenen IT-Dienstleisters Satyam liegen nicht vor. Trotzdem gibt es sieben Interessenten.

Eine Bestätigung von Satyam existiert zwar nicht. Firmennahen Quellen zufolge will der Verwaltungsrat den skandalgeschüttelten indischen IT-Dienstleister aber bereits Mitte des Monats veräußern. Der indischen Regierung sei daran gelegen, den Verkauf möglichst noch vor den Kongresswahlen am 16. April abzuwickeln, so die Begründung.

Die Bieter hatte man offiziell gewarnt, dass keine verlässlichen Finanzdaten zu dem viertgrößten IT-Serviceanbieter des Subkontinents vorliegen. Nach dem Rücktritt von CEO Ramalinga Raju im Januar, der den IT-Dienstleister mit Bilanzfälschungen in Milliardenhöhe in den Abgrund gerissen hatte, wurde ein neuer Verwaltungsrat berufen. Die ehemaligen Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers wurden durch KPMG und Deloitte ersetzt. Ihre endgültigen Ergebnisse werden aber erst in etwa sechs Monaten erwartet. Damit ist die Bewertung des Unternehmens eine sehr subjektive Angelegenheit. Analysten gehen aber davon aus, dass Satyam weit unter seiner derzeitigen Börsenbewertung von rund 500 Millionen Dollar veräußert werden wird.

Trotz der Unsicherheit, wie es um Satyams wirtschaftliche Situation tatsächlich bestellt ist, haben insgesamt sieben Unternehmen für die 51-prozentige Beteiligung geboten. Neben den beiden indischen Konzernen Larsen & Toubro und Tech Mahindra handelt es sich um strategische Investoren und Private-Equity-Unternehmen. Auch IBM wurde zwischenzeitlich in den Medien genannt. Ausländische Investoren haben jedoch kein ernsthaftes Interesse an einer Übernahme - nicht nur wegen der unklaren wirtschaftlichen Lage, sondern auch wegen möglicher Haftungsrisiken in den USA.