Neuer Name, neuer Chef

Satyam Mahindra kann durchstarten

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Der IT-Dienstleister Satyam sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Zu recht, meinen die Analysten von Ovum.

Chander Prakash (C.P.) Gurnani (siehe Bild) ist der neue CEO (Chief Executive Officer) von Mahindra Satyam, wie der indische IT-Dienstleister Satyam seit dem Wochenende heißt. Nach dem Rücktritt des früheren Firmenchefs Ramalinga Raju, der für den Bilanzbetrug verantwortlich gemacht wird, hatte zwischenzeitlich A.S. Murty die Unternehmensleitung inne. Mit S. Durga Shankar wurde zudem ein neuer CFO (Chief Financial Officer) ernannt.

Gurnani erklärte, er sei überzeugt, dass Mahindra Satyam seine unmittelbaren Ziele - Stärkung der Unternehmensführung, Erhöhung der Kundenzufriedenheit, das Zurückgewinnen von Marktanteilen und den Aufbau der neuen Marke - erreichen werde. "Wir haben eine ganz klare Vision, ein weltklasse Management, die besten Angestellten der Branche, ausreichende Ressourcen und einen unerschütterlichen Drang zum Erfolg", so der neue Firmenchef.

Die Zuversicht ist nicht übertrieben, meinen die Analysten von Ovum: "Im Tagesgeschäft erbringt Satyam nach wie vor Services für eine große Kundenbasis. Und seit der Ankündigung der Übernahme durch Tech Mahindra im April ist der Zustand der Unsicherheit und Instabilität, in den das Unternehmen durch den Bilanzskandal geraten war, von Tag zu Tag verbessert."

Bei der Wahrnehmung von Satyam gibt es zwei Lager, beobachten die Experten: einerseits diejenigen, die von Satyam enttäuscht sind, sich entmutigt oder betrogen fühlen und dem Unternehmen komplett negativ gegenüberstehen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Leute, die persönlich mit dem ehemaligen CEO Ramalinga Raju zu tun hatten. Die zweite Gruppe bilden die Kunden, die mit den Services, die Satyam im Tagesgeschäft erbringt, durch und durch zufrieden sind. Und ihre Sichtweise wiegt stärker, meinen die Ovum-Analysten. Business-Entscheidungen würden schließlich auf Basis von logischen Argumenten und nicht von Emotionen getroffen.

Derzeit sieht es so aus, also ob Mahindra Satyam als eigenständiges Unternehmen am Markt agiert. Ovum rechnet jedoch damit, dass es mit Tech Mahindra in sich ergänzenden Bereichen zusammenarbeiten wird. Ein Beispiel sei die Kombination der Managed-Services-Kompetenzen von Tech Mahindra im IT-Infrastrukturbereich mit den Anwendungsservices von Satyam. "Es ist zu hoffen, dass die beiden Anbieter künftig bei Deals kooperieren, bei denen sich die jeweiligen Skills sinnvoll ergänzen", heißt es in einem Kommentar von Ovum.

Entscheidend wird aber auch sein, wie die beiden Anbieter ihre unterschiedlichen Firmenkulturen zusammenbringen. Von den erklärten Unternehmenszielen - nachhaltige Unternehmensführung, Professionalität, Kundenorientierung, Qualität sowie die Würde des einzelnen - ist letzteres nach Ansicht der Experten am wichtigsten. Alle anderen Ziele ließen sich davon ableiten. Auch hier zeigt sich Ovum optimistisch. Tech Mahindra widme sich den Problemen, die durch die Übernahme von Satyam entstanden sind, mit Ruhe und Geduld, anstatt die Integration im Eiltempo voranzutreiben.

Allerdings stehen Satyam auch erhebliche Kürzungen bevor, räumen die Experten ein. Angesichts des durch den Bilanzskandal erlittenen Umsatzrückgangs seien radikale Maßnahmen zur Kostensenkung unausweichlich. Betroffen sei vor allem die Serviceerbringung, weil hier die größten Kostenblöcke lägen. (sp)