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Satans Werk oder der nächste Schritt in eine digitalisierte Welt?

26.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Für die einen ist es ein klares Zeichen, dass Satan den Untergang der Welt vorbereitet. Für andere ist es der konsequente nächste Schritt, um Digitaltechnik für den sicheren Zahlungsverkehr zu nutzen. Gemeint ist die Idee, winzige Chips unter die Haut von Menschen zu transplantieren, mit deren Hilfe ein Individuum sich und seine (auch finanziellen) Daten zu erkennen gibt. Die Chips sind mit der in jüngster Zeit viel ins Gerede gekommenen RFID-Technik (RFID = Radio Frequency Identification) ausgestattet und stellen nach dem Willen einer kleinen Firma aus Florida den Nachfolger aller Kreditkarten dar.

Applied Digital Solutions (ADS) aus Palm Beach im US-Bundesstaat Florida hat auf der ID World 2003 in Paris vergangenen Freitag seine "VeriPay"-RFID-Technik vorgestellt. Hierbei handelt es sich um einen Mikrochip, der unter die Haut gepflanzt wird und der Radiofrequenzsignale nutzt, um Identifikationsinformationen etc. an einen Scanner zu senden.

Für viele Menschen dürfte diese Art, ihre Identität digital einlesbar unter der Haut zu tragen, gespenstisch und abschreckend sein. Vorstufen zu solch einem Verfahren gibt es in den USA. Exxon-Mobil nutzt eine Speedpass genannte Technik. Bei dieser ist ein RFID-Chip in einem Schlüsselbund integriert. Der Chip wiederum ist mit der Kreditkarte des Besitzers verbunden. Will dieser an einer Exxon-Mobil-Tankstelle bezahlen, wedelt er lediglich mit dem RFID-Chip vor einem speziellen Scanner, der die Kontobelastung der Kreditkarte innerhalb von Sekunden vornimmt. Im Großraum Chicago hat McDonald's in 400 Restaurants begonnen, diese Technik zu übernehmen.

MasterCard wiederum testet in einem Paypass-Projekt RFID-befähigte Kreditkarten. Bei Paypass-Karten werden Unterschriften bei Bezahlungen nicht mehr nötig sein. Vice President Art Kranzley von MasterCard sagte in einem Interview mit der US-Tageszeitung "USA Today", man nehme Techniken wie Speedpass sehr wohl zur Kenntnis. RFID-Chips in Schlüsselanhängern oder in Kugelschreibern oder Ohrringen seien sehr wohl denkbar. "Letztendlich kann RFID aber in alles eingesetzt werden – möglicherweise sogar unter die Haut."

Das Problem mit RFID-Chips in Schlüsselanhängern etc. ist natürlich, dass diese Gegenstände leicht verloren gehen können. Insofern wäre das Hautimplantat eine sicherere Lösung. Allerdings warnen Datenschützer vor den unübersehbaren Problemen, die diese Technik mit sich bringt. Immerhin muss gewährleistet sein, dass mit den Signalen, die solche RFID-Chips aussenden, nicht lückenlose Bewegungsprotokolle angefertigt werden oder dass ein unbefugter Empfänger die RFID-Daten einscannt.

Weniger bedenkenswert scheinen da Warnungen von christlich orientierten Gruppen, die darauf hinweisen, dass bereits im Neuen Testament darauf verwiesen wurde, Satan werde eines Tages die Menschen zwingen, ein Zeichen auf ihren Händen oder auf ihrer Stirn zu empfangen, mittels dessen sie kaufen und verkaufen könnten. Gary Wohlscheid, Betreiber der Website "These Last Days Ministries", warnt davor, die ADS-Technik sei "ein gigantischer Schritt in Richtung des satanischen Zeichens ". ADS-Offizielle konterten, immerhin sei es ja jedem selbst überlassen, ob er sich solch einen Chip implantieren lassen wolle. Bis es so weit ist, werden nach Meinung von ADS-Managern noch einige Jahre vergehen bis die Technik ausgereift ist. (jm)