Problem Makroökonomie

SAP will nach verhaltenem Jahresstart deutlich zulegen

19.04.2013
Europas größter Softwarehersteller SAP muss wegen der schwachen Weltkonjunktur einen Gang herunterschalten.
Jim Hagemann Snabe, Co-CEO der SAP AG
Jim Hagemann Snabe, Co-CEO der SAP AG
Foto: SAP

Im Vergleich zur Konkurrenz sieht sich Co-Chef Jim Hageman Snabe aber sehr gut aufgestellt. Oracle und Tibco hatten noch schwächere Quartalszahlen geliefert. "Wir nehmen allen unseren Wettbewerbern Marktanteile ab", sagte Snabe am Freitagmorgen und versprach Steigerungen im weiteren Jahresverlauf. Das liege an den Hoffnungsträgern, der sogenannten Datenwolke und der superschnellen Datenbank Hana, die immer mehr Schwung bekommen.

"Unsere Pipeline ist stark und wir sind überzeugt, dass wir unsere Ziele für 2013 erzielen werden", sagte Snabe. Im ersten Quartal enttäuschte SAP die Erwartungen am Markt. Vorbörslich sackte die Aktie in einem ansonsten freundlichen Umfeld um 2,3 Prozent auf 58,25 Euro.

Der Umsatz stieg zum Vorjahresquartal von 3,36 Milliarden auf 3,64 Milliarden Euro. Experten hatte mit mehr gerechnet. Im Kerngeschäft mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen legte SAP dank der Datenwolke (Cloud) und der In-Memory-Datenbank Hana das 13. Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum hin. Unterm Strich legte der Gewinn von 444 Millionen auf 520 Millionen Euro zu. Auch hier hatten Experten mehr erwartet.

Zentrale der SAP AG in Walldorf bei Heidelberg
Zentrale der SAP AG in Walldorf bei Heidelberg
Foto: SAP / Stephan Daub

Die Großübernahmen der Cloud-Firma Successfactors und der Online-Handelsplattform Ariba lasteten auf dem Gewinn. Zudem hatte SAP bei der Expansion in neue Geschäftsfelder wie die Cloud, bei denen Software und Daten direkt aus dem Internet laufen, stark in neue Produkte und den Ausbau der Vertriebsmannschaft investiert. Die Kosten gerieten aus dem Ruder, sodass SAP nun auf die Bremse tritt. Die Belegschaft werde nicht weiter aufgestockt.

Überraschend schrumpfte das Geschäft in Asien. Snabe begründete dies mit dem Regierungswechsel in China und einer niedrigeren Nachfrage nach dem Rekordquartal zum Jahresende. In Japan, dem wichtigsten asiatischen Markt, hat SAP zudem mit Gegenwind zu kämpfen. Der Yen liegt zum Euro um 15 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das schlägt sich bei den Walldorfern im Umsatz und Gewinn nieder. Snabe versprach aber im Frühlingsquartal eine Rückkehr zu Wachstum.

In der Region Amerika, die den weltgrößten Software-Markt USA enthält, gelang SAP ein wuchtiger Umsatzanstieg um rund 50 Prozent. Aufträge, die zum Jahresende ausgeblieben waren, konnte die SAP nun unter Dach und Fach bringen. Hier ritt SAP auf der Nachfragewelle für Software aus der Datenwolke, die sie sich mit Successfactors eingekauft hatte. Amerikanische Kunden gehören immer noch zu den schnellsten, wenn es darum geht, sich neuer Technik zuzuwenden. Auf das Jahr hochgerechnet kommt SAP mit der Cloud auf 900 Millionen Euro Umsatz.

Der andere Milliardenzukauf Ariba ist dagegen noch nicht so weit. Die Online-Plattform für den IT-Einkauf von Großunternehmen hat zwar schon mehr als eine Million Kunden. Die Übernahme ging jedoch erst kurz vor dem Jahreswechsel über die Bühne und Ariba ist noch nicht vollständig in den SAP-Vertrieb integriert. Ziel ist es, die mit dem Kauf des Cloud-Anbieters Ariba gewaltig vergrößerte Kundenbasis zu nutzen, um einzelnen Unternehmen verschiedene Produkte aus der SAP-Palette zu verkaufen.

Auch die superschnelle Datenbank soll sich weiter steigern. So vernetzt SAP Hana schrittweise mit den wichtigsten Produkten: Software für Kundenbeziehungen, Warenwirtschaft, Logistik, Lieferketten und Beschaffung. Davon verspricht sich die Konzernführung einen weiteren Schub. Flächendeckend für alle verschiedenen Kundengruppen dürfte die Software allerdings erst zum Jahresende verfügbar sein. Snabe: "Im zweiten Halbjahr werden wir durchstarten." (dpa/tc)