Anbieter stellen erste gemeinsame BI-Produkte vor

SAP will Business Objects für Drittsysteme offen halten

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Beide Softwarehäuser zeigen erste gemeinsame Produkte und versprühen Optimismus. Business-Objects-Software soll SAP- und Nicht-SAP-Plattformen unterstützen wobei das französische Unternehmen die komplette der Business-Intelligence- Entwicklung übernimmt. Die eigentliche Integrationsarbeit dürfte indes noch zu leisten sein.

Nachdem die Aktionäre der Übernahme zugestimmt haben, besitzt SAP nun gut 87 Prozent der Aktien des Business-Intelligence-Anbieters Business Objects. SAP-Chef Henning Kagermann zufolge verfüge das Gespann nun über Business-Intelligence-Werkzeuge, Anwendungen für das Business-Performance-Management (Leistungsmessung und -steuerung von Unternehmen) sowie eine Geschäftsprozessplattform (gemeint sind damit Netweaver und das Enterprise Services Repository). Mit diesem Portfolio im Rücken hat Kagermann sich zum Ziel gesetzt, im Markt für Business-Performance-Management die Nummer eins zu werden. Der Geschäftsbereich rund um Business-Intelligence wird nach Überzeugung des SAP-Lenkers der mit am schnellsten wachsende Einheit innerhalb des Konzerns sein.

Verkaufen will SAP die übernommenen Produkte jedoch nicht nur den eigenen Kunden. Vielmehr soll Business Objects wie vor dem Aufkauf durch SAP seine Software auch für Nicht-SAP-Applikationen liefern. "Wir unterstützen die Produkte der Anwender, ganz gleich, auf welchen Datenstrukturen sie bestehen", so John Schwartz, CEO von Business Objects. Dies ist neu für SAP, denn bisher hatte das Unternehmen Technik übernommen, diese dann aber ausschließlich an die eigene Software angepasst.

Um jegliche Zweifel an der Harmonie zwischen beiden Firmen auszuräumen, präsentierten sie neue Produkte, die Ende Januar verfügbar sein sollen. Es handelt sich dabei um insgesamt neun Angebote für die Bereiche Geschäftsoptimierung (Profitabilitätsanalysen, Planungswerkzeuge, Methoden zur Budgetierung und Bilanzkonsolidierung sowie Applikationen, die Firmen helfen Geschäftsrisiken zu managen und das Unternehmen gemäß gesetzlicher Vorgaben zu führen).

Eine Business-Intelligence-Plattform, für die es offenbar noch keinen anderen Namen gibt, umfasst Softwarebausteine zum Erzeugen von Berichten sowie deren Anzeige. Hierbei sollen sich unterschiedliche Datenquellen eines Unternehmens nutzen lassen. Solche Reports können Anwender auch über die Office-Software von Microsoft anfertigen und weiterleiten. Darauf setzen Unternehmensanalysen auf, die sich über verschiedene Frontends verwenden lassen, auch über mobile Endgeräte.

Ferner zählen zur BI-Plattform Werkzeuge zur Datenintegration und -pflege. Mit Hilfe einer Stammdatenverwaltung sollen Unternehmen Stammdaten konsolidieren und harmonisieren können.

Die dritte Produktgruppe wendet sich an mittelständische Firmen. Ein Paket beinhaltet die von SAP-Partnern vermarkteten Lösungen der Familie "Business All-in-One" sowie die BI-Software "Edge Standard" von Business Objects. Vertriebsteams beider Firmen sowie Vertriebspartner sollen das Softwarepaket anbieten.

Das von Business Objects stammende "Crystal Reports Server Package", eine Software für das Berichtswesen, sollen SAP-Partner an den Mann bringen. Business-Objects-Partner sollen das "Edge Series Package" an SAP-Kunden vertreiben. Hierzu verfügt das Produkt über entsprechende Integrationskomponenten.

Business Objects übernimmt komplette BI-Entwicklung

SAP hat sich beeilt, gemeinsame Produkte zu präsentieren. Kunden eines übernommenen Unternehmens sind zunächst skeptisch, was mit den Produkten geschieht und vor allem, welchen Applikationen die Zukunft gehört. Der Business-Objects-Kauf macht da keine Ausnahme. "Firmen stoppen laufende Projekte, warten ab und halten weitere Investitionen erstmal zurück", meint Carsten Bange, BI-Kenner und Chef des Barc-Instituts aus Würzburg. Überlappungen im Portfolio beider Softwarehäuser gibt es. Nun fragt man sich, die SAP damit umgehen wird. "Zwar hat der SAP-Chef versprochen, kein Produkt abzuschalten, doch ist für Firmen entscheidend, welche der gleichartigen Produkte bevorzugt werden."

Laut SAP-Chef Kagermann soll Business Objects die komplette Entwicklung der Business-Intelligence-Software übernehmen und Business-Objects-Chef John Schwartz wird Mitglied des SAP-Vorstands. "Auf diese Weise vermeiden wir Doppelarbeiten." Was dies für die einzelnen Softwareprodukte am Ende bedeutet, wird sich zeigen.

SAP steht in Sachen BI in Wettbewerb mit der zu IBM gehörenden Firma Cognos, dem Erzrivalen Oracle, der die BI-Angebote mit dem Kauf von Hyperion ausgebaut hatte, SAS Institute und Microsoft. Gleichwohl sollen laut Leo Apotheker, Co-CEO von SAP, bestehende Partnerschaften mit Drittfirmen im BI-Umfeld bestehen bleiben. Eine Reihe von Softwarehäusern haben ihre Produkte an SAPs ERP-Software und Netweaver angepasst.

Software für den Business User

Programme für Business User betrachtet SAP als einen wichtigen Wachstumspfad. Gemeint sind damit unter anderem Programmfunktionen, die diese Anwender bei Entscheidungen unterstützen. Hierzu sind Tools erforderlich, die Unternehmensdaten strukturieren und dem Nutzer für Auswertungen und zur Planung zur Verfügung zu stellen. Das Segment umfasst laut Kagermann drei Produktkategorien. Das eine sind Business-Intelligence-Funktionen, die fest mit Transaktionsanwendungen von SAP verbunden sind. Die zweite Kategorie bilden umfangreichere Business-Intelligence-Pakete für bestimmte Branchen, die sich sowohl an SAP- als auch an Nicht-SAP-Nutzer wenden. Drittens soll es Performance-Management-Applikationen geben, die neben der SAP-Plattform auch andere Softwareumgebungen unterstützen.