Predictive Analytics

SAP will Analytics-Spezialisten KXEN übernehmen

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Mit dem Kauf von KXEN erweitert SAP sein Angebot an Predictive-Analytics-Funktionen. In Kombination mit dem eigenen Advanced-Analytics-Portfolio sowie Visualisierungstechniken und der HANA-Plattform will der Softwarekonzern künftig mehr Anwender aus den Fachbereichen als Analytics-User gewinnen.
Foto: SAP

SAP hat angekündigt, den US-amerikanischen Predictive-Analytics-Spezialisten KXEN übernehmen zu wollen. Der Softwarehersteller aus San Francisco hat sich auf Data-Mining- sowie Analyse-Werkzeuge für Prognosen spezialisiert. Der Fokus liegt dabei vor allem darauf, die Nutzung der Software weitgehend zu automatisieren und damit auch für technisch weniger versierte Anwender in den Fachabteilungen zu vereinfachen. Diese sollen mit Hilfe der KXEN-Lösungen in die Lage versetzt werden, große Datenmengen dahingehend auszuwerten, zukünftige Geschäftsentwicklungen besser prognostizieren und somit bessere Entscheidungen treffen zu können.

KXEN adressiert mit seinen Lösungen in erster Linie Kunden aus den Branchen Finanzdienstleister, E-Business, Handel sowie Telekommunikationsanbieter. Eigenen Angaben zufolge nutzen weltweit mehr als 500 Kunden die Analytics-Werkzeuge, darunter namhafte Konzerne wie die Bank of America und Vodafone. Wie viel sich SAP die Übernahme kosten lässt, wurde nicht bekannt gegeben. Die Softwerker aus dem Badischen rechnen damit, den Deal noch in diesem Jahr unter Dach und Fach zu bekommen.

Die SAP-Verantwortlichen sehen das KXEN-Portfolio als Ergänzung des eigenen Analytics-Angebots. Demnach sollen Prognosefunktionen künftig tiefer in bestehende SAP-Applikationen aus den Bereichen Customer-Relationship-Management (CRM), Supply Chain Management (SCM) sowie Risiko-Management und Betrugsbekämpfung integriert werden. Das gelte für On-Premise-Anwendungen gleichermaßen wie für das Cloud-Angebot. Vorteile versprechen sich die Walldorfer auch für ihre neuen Lösungen, die auf der In-Memory-Datenbank-Plattform HANA basieren, wie beispielsweise "SAP Fraud Management", "SAP Smart Meter Analytics" und "SAP 360 Customer". Außerdem sollen mit Hilfe der KXEN-Software mehr als 25 Branchenlösungen mit zusätzlichen Predictive-Analytics-Funktionen ausgestattet werden.

Damit werte man die eigenen Lösungen auf, sagte Michael Reh, Executive Vice President für den Bereich Business Information Technology, Products & Innovation bei SAP. "KXEN versetzt uns in die Lage, Predictive Analytics leichter konsumierbar und damit mehr Business-Anwendern zugänglich zu machen." Den weltweiten Markt für Predictive Analytics taxieren die SAP-Verantwortlichen unter Berufung auf IDC-Zahlen aktuell auf ein Jahresvolumen von etwa zwei Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2017 soll das Geschäft auf zirka drei Milliarden Dollar anwachsen.

Wie sichtbar bleibt KXEN?

Die Übernahme von KXEN dürften für SAP keine massiven Veränderungen in der Analytics-Strategie nach sich ziehen, glaubt Forrester-Analyst Boris Evelson. Die Walldorfer können selbst einige Erfahrung mit Predictive-Analytics-Funktionen vorweisen. In der Vergangenheit setzte SAP beispielsweise auf eine Partnerschaft mit SPSS. Nachdem IBM diesen Anbieter übernommen hatte, entwickelte SAP selbst eigene Predictive-Analytics-Funktionen, vor allem rund um das Business-Warehouse (BW) und die In-Memory-Datenbank HANA. Die Konkurrenz in diesem Umfeld ist allerdings groß, stellt Evelson fest und verweist auf Branchengrößen wie SAS, IBM und Oracle. Auch Microsoft arbeite mit Hochdruck daran, seinen SQL Server mit entsprechenden Prognosefunktionen auszubauen.

Aus Sicht von Forrester-Analystin Srividya Sridharan ist die Übernahme ein Beleg dafür, dass die Software-Anbieter mit ihren Analytics-Angeboten immer stärker darauf abzielen, mehr User in den Fachabteilungen für ihre Lösungen zu gewinnen. Für diese Nutzer stünden weniger die Technik und Algorithmen im Vordergrund als vielmehr eine möglichst einfache und effiziente Nutzung der Analysefunktionen. Dabei würden sich die Angebote von SAP und KXEN ergänzen. KXEN erlaube mit seiner Automatisierung eine einfache Modellierung von Analysen, habe jedoch Schwächen in der Visualisierung. An dieser Stelle komme SAP mit seinen Dashboards ins Spiel, um KXENs Expertise in Sachen Predictive Analytics leicht bedienbar am Frontend der User zu präsentieren.

Wie die Zukunft der KXEN-Produkte aussehen wird, ist momentan allerdings schwer vorherzusagen. Aus Sicht von Sridharan sei derzeit noch nicht abzusehen, welche Strategie mit den KXEN-Lösungen verfolgt. Anwender sollten genau beobachten, inwieweit die Lösungen auch zukünftig als eigenständige Softwareprodukte angeboten werden. Es sei allerdings auch möglich, dass die KXEN-Technik als Embedded-Predictive-Analytics tief im SAP-Portfolio versinkt und dort als Prognose-Werkzeug eng mit anderen Anwendungen verzahnt wird.

SAP baut an seinem Big-Data- und Analytics-Ökosystem

Neben Übernahmen baut SAP derzeit verstärkt auch auf Kooperationen, um sein Business-Intelligence- und Analytics-Portfolio sowie das dazugehörige Ökosystem zu erweitern. Beispielsweise will der deutsche Softwarekonzern künftig seine In-Memory-Datenbankplattform "Hana" zusammen mit der "Intel Distribution Apache Hadoop" und der "Hortonworks Data Platform" vertreiben. Mit entsprechenden Reseller-Verträgen, die auch den Support umfassen, baue man einer Mitteilung zufolge bereits bestehende Partnerschaften mit Intel und Hortonworks weiter aus.

Im Bereich Big-Data-Lösungen hat SAP kürzlich neue Applikationen wie "SAP Demand Signal Management" für Produktionsunternehmen vorgestellt. Diese bilde den Auftakt zu einer ganzen Serie von Anwendungen für Big Data bilden, die bis Ende 2013 erscheinen sollen. Dazu zählen auch die Analysesoftware "SAP Fraud Management" und die Lösung "SAP Customer Engagement Intelligence". Letztere beinhaltet die Analyseanwendungen "SAP Audience Discovery and Targeting", "SAP Customer Value Intelligence", "SAP Social Contact Intelligence" sowie "SAP Account Intelligence". Darüber hinaus hat SAP eine zentrale Serviceorganisation für Data Science ins Leben gerufen, die die besten Datenspezialisten der SAP unter einem Dach zusammenführen soll.

Eine weitere Kooperation hat SAP mit Accenture angekündigt. Beide Unternehmen wollen ihren Kunden künftig funktions- und branchenspezifische Lösungen auf Basis von SAP HANA anbieten. Dabei übernehme Accenture die Rolle des zentralen Ansprechpartners, der alle Aufgaben aus dem Bereich der Vertragsabwicklung übernimmt, hieß es in einer Mitteilung. Anwender könnten sich damit ganz auf die Implementierung und Nutzung einer Lösung konzentrieren. Als erstes soll die Lösung die "Marketing Performance Solution by Accenture and SAP" auf den Markt kommen. Damit könnten Marketing-Manager nahezu in Echtzeit auf Daten wie Umsatzzahlen, Media-Spendings und Reichweiten im Social Web zugreifen, stellt der Dienstleister seinen Kunden in Aussicht. Das erleichtere die Entscheidungsfindung und helfe, einen besseren Return-on-Investment (RoI) für Marketing-Ausgaben zu erzielen. (mhr)