SAP will Analyse und Prozesse vereinen

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Der Hersteller kündigt lang geforderte Features für Business Intelligence und eine neue Vision an: Composite Analytical Applications.

Mit "Netweaver 2004s" bringt SAP die nächste Iteration seiner Infrastrukturplattform auf den Weg. Sie geht dieser Tage in den "Ramp up" bei ausgesuchten Kunden und soll im zweiten Quartal 2006 allgemein verfügbar sein. Zu ihr gehören Business-Intelligence-Werkzeuge (BI) zur Datenaufbereitung und -auswertung, die seit dem Release 3.5 der Data-Warehouse-Umgebung "Business Information Warehouse" (künftig "Netweaver BI") im letzten Jahr als integrierter Bestandteil vermarktet werden. So stehen bereits heute für den Aufbau von Anwendungen für ein Web- und Excel-basierendes Reporting und Analysen die teils vorgefertigten Komponenten "Bex Query Designer", "Bex Report Designer", "Bex Analyzer", "Bex Web Analyzer" und "Bex Web Application Designer" zur Verfügung. Eine zeit- und ereignisgesteuerte Berichtgenerierung und -verteilung ist zudem mit "Information Broadcasting" möglich.

Hier lesen Sie …

  • welche Produktstrategie SAP bei BI und Analytics verfolgt;

  • wie BI und Transaktions- systeme verzahnt sind;

  • wie weit die Entwicklung derzeit ist.

Planung endlich integriert

Über einen "Workspace" können Anwender künftig beispielsweise Informationen aus der Warenwirtschaft, CRM- und BI-Anwendungen zusammenstellen.
Über einen "Workspace" können Anwender künftig beispielsweise Informationen aus der Warenwirtschaft, CRM- und BI-Anwendungen zusammenstellen.

Netweaver 2004s bringt bezüglich BI zahlreiche Detailänderungen in den Bex-Produkten wie beispielsweise ein überarbeiteter Client. Sie sollen vor allem die Anwenderproduktivität steigern helfen und ihnen eine umfassende Plattform bereitstellen (siehe Kasten "Neuerungen"). Zudem finden sich vor allem zwei für Kunden wichtige und seit langem geforderte Neuerungen. So ist die frühere Planungskomponente "SAP-BPS" nun vollständig integriert. Anwender können dadurch bei Reporting/Analyse und Planung mit einer Datenbasis und gemeinsamen Kennzahlen arbeiten. Ferner werden erstmals Funktionen für ein formatiertes Reporting in Bex bereitgestellt. Diese Lücke im Portfolio hatte SAP bisher mit Hilfe einer speziell paketierten Ausgabe der Berichtssoftware "Crystal Reports" des BI-Spezialisten Business Objects zu schließen versucht. "Dies war ein Trugschluss", erklärte jetzt Heinz Häfner, Senior Vice President Netweaver Operations, gegenüber der COMPUTERWOCHE.

Konkurrenz für Crystal

Die meisten Kunden wollten wegen des übergroßen Aufwands laut Häfner neben Bex kein zusätzliches BI-Produkt für Highend-Reporting betreiben, um den Aufwand gering zu halten. Deshalb habe SAP in Zusammenarbeit mit Kunden ein eigenes Angebot entwickelt, das in erster Linie Standardfunktionen bietet und daher nur bedingt mit Crystal Reports vergleichbar sei. Als Arbeitsumgebung dient künftig der "Bex Report Designer", mit dem sich formatierte und für den Ausdruck optimierte Berichte erstellen und gestalten lassen. Eine wichtige Anforderung war es dabei, beispielsweise eine gute PDF-Unterstützung vor allem für den (Web-)Ausdruck zu bieten.

Die immer wieder von Anwendern und Analysten beanstandete Performance von BW im Reporting will SAP durch das neue Produkt "BI Accelerator" verbessern. Dieses wurde zunächst als "High Performance Analytics" bezeichnet. Es erweitert die bisher in der SAP-Knowledge-Management-Komponente eingesetzte Suchmaschine "Trex" um die Möglichkeit, BI-Inhalte im Hauptspeicher (Cache) von BW zu indizieren. Ziel ist es, individuelle Abfragen aus dem Cache zu versorgen. Dieser Ansatz ist laut SAP-Manager Häfner nicht neu, aber aus der Kombination von Inhalten aus KM- und BI-Anwendungen entstehe dem Kunden ein Mehrwert. Die Technik verwende spezielle Algorithmen und sei weitaus schneller als Abfragen gegen die relationale Datenbank oder über Aggregrate (Summary tables) in BW. Kürzer sind die Antwortzeiten nur beim Abruf vordefinierter Standardberichte. Die Nutzung des BI Accelerators setzt allerdings den Einsatz spezifischer Hardware voraus. Hierzu hatten SAP, Hewlett-Packard, IBM und Intel an Blade-Servern gearbeitet, die als fertige Black-box-Appliances die neue Abfragetechnik implementieren.

Neuerungen für BI in Netweaver 2004s

1. BI und Analytics

  • formatiertes Reporting für den "Business Explorer" (Bex);

  • integrierte Planung für Analyse und Reporting;

  • vorgefertigte Composite Analytical Applications;

  • modellgetriebene Portal-Entwicklungsumgebung Visual Composer;

  • überarbeitete Benutzeroberfläche für Bex Query-Designer;

  • mehr Benuzterinteraktion, neues Workbook-Layout sowie zusätzliche Query-Optionen im Bex Analyzer;

  • neue Layout-Elemente, Charts, Webitems, Command Wizard im Web Application Designer;

  • weitere Objekt-Typen und Verteilungs- sowie Output-Optionen bei Bex Informa- tion Broadcasting.

2. Data Warehousing

  • BI-Accelerator für Ad-hoc- Abfragen;

  • überarbeitete ODS-Objekte (jetzt Datastore Objects) und Infosets;

  • neues Datasource-Konzept;

  • entfernter Zugriff auf Master Data;

  • verbesserte Administrationsoberfläche;

  • zusätzliche Ladeoptionen sowie solche zur Kontrolle des Datenflusses;

  • Monitoring-Framework.