Web

 

SAP vor neuer Zeitrechnung - Betriebsrat nicht mehr aufzuhalten

28.03.2006
Deutschlands führender Softwarekonzern SAP steht vor einer neuen Zeitrechnung.

Die Innovation, die dem erfolgsverwöhnten DAX-Unternehmen ins Haus steht, wird von der Konzernspitze zwar als rückständig angesehen. Die Bildung eines Betriebsrates ist bei SAP jedoch fast nicht mehr zu verhindern. Auf einer Betriebsversammlung soll an diesem Donnerstag (30.3.)am Stammsitz in Walldorf ein Wahlvorstand bestimmt werden. Die eigentliche Wahl der Arbeitnehmervertreter wird voraussichtlich acht bis zehn Wochen später erfolgen.

Mit der anstehenden Betriebsratswahl endet bei dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware vorerst eine Grundsatzdebatte, die das Unternehmen praktisch seit seiner Gründung 1972 begleitet. Immer wieder hatte die Gewerkschaft vergeblich versucht, einen Fuß in das überwiegend mit Akademikern besetzte Softwarehaus zu bekommen. Aber sowohl die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di als auch die IG Metall bissen sich die Zähne an SAP aus.

Dass ausgerechnet die Metaller nun den Durchbruch schafften, ist drei SAP-Mitarbeitern zu verdanken, die es zunächst intern versuchten, dann die Hilfe der Heidelberger IG Metall annahmen und schließlich mit juristischen Geschützen aufwarteten. Zwar scheiterten die Initiatoren mit ihrem Vorstoß für mehr Mitbestimmung bei einer ersten Betriebsversammlung. Angesichts ihrer Drohung, vor dem Arbeitsgericht das im Betriebsverfassungsgesetz geregelte Recht auf einen Betriebsrat durchzusetzen, lenkte die Walldorfer Vorstandsetage jedoch ein.

Erforderlich für die Einsetzung eines Wahlvorstandes ist bei der Betriebsversammlung die einfache Mehrheit der Anwesenden. Die IG Metall geht davon aus, dass das Ergebnis nach den emotionalen Debatten der vergangenen Wochen auch erreicht wird. "Die Aggressivität ist raus", sagte Gewerkschaftsmann Mirko Geiger. Die SAP-Mitarbeiter wüssten jetzt, dass sie das nicht mehr verhindern könnten, was bei den anderen DAX-Unternehmen zum Unternehmensalltag gehöre.

Mit sieben bis neun Vertretern sollte das Gremium nach seiner Einschätzung besetzt sein. Derzeit übernehmen acht Aufsichtsratsmitglieder von Europas führendem Softwarehaus die Aufgabe, die Interessen für die weltweit fast 35.900 und in Deutschland rund 14.000 Mitarbeiter zu vertreten. (dpa/tc)