SAP verspricht leichtere Software-Upgrades

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Über Enhancement Packages (EhP) sollen Softwareanwender neue Funktionen ohne viel Aufwand in Betrieb nehmen können. Die Kunden können aber noch nicht abschätzen, ob der Pflegeaufwand wirklich abnimmt.

Es gibt neben dem leidigen Enterprise Support auch noch andere Themen, die SAP-Kunden interessiert. Dazu zählt das künftige Update-Konzept der Anwendungen. Den Kern bilden die "Enhancement Packages" (EhP). Damit sollen Nutzer, die bereits "SAP ERP" einsetzen, neue Funktionen gezielt einspielen und aktivieren können, ohne dafür wie unter R/3 langwierige und kostspielige Release-Wechsel fahren zu müssen.

ERP achtet auf Liquidität

Für SAP ERP hat der Softwarekonzern nun das vierte EhP freigegeben. Es enthält unter anderem Erweiterungen zum Cash-, Liquiditäts- und Treasury-Management, die Unternehmen angesichts der Finanzkrise helfen sollen. Ein ERP Info Center auf dem Service-Marktplatz der SAP informiert die Nutzer, was an Funktionen in den Erweiterungspaketen steckt. Technischer Dreh- und Angelpunkt des Erweiterungsverfahrens ist der "SAP Solution Manager".

SAP dehnt das EhP-Konzept nun auch auf die "Business Suite" aus. Das kommende Release 7.0 der Suite, das im November in "Ramp-up" (Einsatz bei ausgewählten Anwendern) gegangen ist, verfügt über das Feature. Damit sollen die Grenzen zwischen Applikationen durchgängiger werden. Anwender können nach SAP-Angaben ausgewählte Funktionen einführen und ausprobieren. Entsprechende Testszenarien sind in den Paketen enthalten.

Mit der neuen Suite-Version liefert SAP alle Bestandteile (CRM, PLM, SRM und SCM) zur gleichen Zeit aus. Früher hatte der Softwarenanbieter Funktionsbausteine zeitversetzt freigegeben. Die neue Regelung soll es Anwendern erleichtern, Softwareprojekte zu planen. "Bisher war das schwierig, da beispielsweise ERP- und CRM-Funktionen zu unterschiedlichen Zeiten zur Verfügung standen, was die Abstimmung neuer Funktionen mit Fachbereichen sowie die Einführung kompliziert hat", so Sven Denecken, Vice President Suite Solution Management. Wie bereits für ERP bringt SAP auch für die Business Suite 7.0 alle neun bis zwölf Monate ein Erweiterungspaket heraus. Anwender sind nach Herstellerangaben jedoch nicht gezwungen, diese Features zu aktivieren, sondern können dies nach Bedarf tun.

7+2-Wartung für die Business Suite

Neuerdings folgt die Wartung aller Business-Suite-Komponenten dem unlängst bereits für SAP ERP vorgestellten Supportkonzept "7+2". Über sieben Jahre bleiben Softwareprodukte in der Standardwartung (die Wartungsgebühr beträgt gemäß dem Enterprise Support 22 Prozent vom Lizenzpreis). Danach kann der Anwender seine Software für weitere zwei Jahre im Rahmen der Extended Maintenance (24 Prozent) pflegen lassen. Bisher betrieb SAP beim Support ein 5-1-2-Verfahren (fünf Jahre Standardwartung, danach ein und nochmal zwei Jahre Wartungsverlängerung gegen Aufpreis).

Das 7+2-Modell soll es den Anwendern erlauben, Software länger zu nutzen. Damit will der Hersteller unter anderem solchen Kunden entgegenkommen, die erst in ein oder zwei Jahren von R/3 auf ERP umsteigen. Sie sollen nicht bereits kurz nach der Migration erneut einen Release-Wechsel fahren müssen.

Laut SAP wird es nach der Freigabe der Business Suite 7.0 vorerst kein Major Release und somit auch keinen Zwang zum Softwareumstieg geben. Angesichts des Erweiterungsmodells über Enhancement Packages stellt sich ohnehin die Frage, ob eine befristete Wartung künftig überhaupt noch sinnvoll ist.

Enhancements statt Releases

Funktionserweiterungen spielen Kunden bei Bedarf über die EhPs ein. Diese Pakete können Anwender kostenfrei abrufen. "Bisher haben wir alle zwei Jahre neue Releases auf den Markt gebracht. Firmen können aber nur alle vier Jahre Softwareumstellungen stemmen. Somit mussten Anwender mitunter fünf Jahre auf neue Features warten", erläutert Denecken. Nicht nur Nutzer der kompletten Suite sollen über die EhPs neue Funktionen leichter einspielen können, sondern auch solche, die nur ERP und CRM verwenden.

Künftig wird es auch für Industrielösungen, die auf SAP-Standardprodukten aufsetzen, Enhancement Packages geben, etwa für "SAP Retail". Geplant ist dieses Upgrade-Verfahren auch für die Entwicklungs-, Integrations- und Ablaufumgebung "Netweaver" sowie für die Business-Objects-Software"Excelsius" und "Crystal Reports", die Bestandteil der kommenden Business Suite sein werden.

Nach SAP-Angaben betreiben derzeit 8500 Firmen ERP 6.0 produktiv. Bis Ende 2009 sollen es weltweit 20 000 sein. Die Kunden entscheiden, welche Funktionen eines Erweiterungspakets sie freischalten wollen. Etwa 1000 Unternehmen haben laut SAP bereits EhPs im Einsatz.

Die Inbetriebnahme von Funktionen eines EhP ist mit einer vorübergehenden Systemabschaltung verbunden, wenn sich Kernfunktionen der Software verändern. Der Aufwand für die Aktivierung sei aber im Vergleich zu einem R/3-Release-Wechsel viel geringer. Denecken zufolge haben Erfahrungen mit Kunden gezeigt, dass dafür nicht mehr Zeit erforderlich ist als für ein Support Package. Zudem sei genau dokumentiert, an welchen Stellen eine EhP in die Software eingreift, so dass sich Nutzer darauf einstellen könnten.

SAP hofft, dass sich Funktions-Upgrades für den Anwender leichter realisieren lassen und sie deshalb weniger auf Eigenentwicklungen und Drittprodukte angewiesen sind als bisher. Ob die Konzepte in der Praxis halten, was SAP in der Theorie verspricht, wird sich zeigen, wenn sich viele Kunden damit beschäftigt haben.

Theorie und Praxis

"SAP schreitet mit dem EhP-Konzept in die richtige Richtung, doch sollten Anwender bei der Erweiterungsplanung einige Einflussgrößen beachten", gibt Frank Naujoks, Research Director und ERP-Experte beim Beratungshaus i2s aus der Schweiz, zu bedenken. Zwar mag aus Sicht der SAP eine EhP-Aktivierung minimalen Aufwand bedeuten, doch der Kunde müsse sehr wohl prüfen, inwiefern die neuen Funktionen mit eigenen Systemanpassungen zu harmonisieren sind. Ferner könnten es EhPs erforderlich machen, Schnittstellen zu Drittsystemen zu überarbeiten. Naujoks weist zudem auf das bekannte Dilemma vieler vor allem großer SAP-Nutzer hin, die zahlreiche Systeminstanzen mit unterschiedlichen Release-Ständen fahren: "Große Konzerne werden es vermutlich nie schaffen, all ihre weltweiten SAP-Applikationen auf eine Softwareversion zu hieven." In vollem Umfang von EhPs profitieren können diese Unternehmen jedoch nur, wenn all ihre ERP-Programme auf dem Release-Stand ERP 6.0 beziehungsweise die Business-Suite-Komponenten wie CRM und SRM auf der künftigen Version 7.0 laufen.

Auch die Anwender begrüßen das SAP-Konzept. "Das Enhancement-Package-Konzept für die SAP Business Suite ist im Grundsatz gut", lobt Waldemar Metz, Mitglied im Vorstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) aus dem Fachressort Prozesse/Anwendungen (SAP Business Suite). Damit könnten Anwender künftig ihre Kernlösung ohne großen Aufwand aktualisieren und funktional erweitern. "Da Firmen neue Funktionen nach Bedarf einspielen können, lassen sich Systemtests auf ein verträgliches Maß reduzieren", beruft sich der DSAG-Mann auf Aussagen der Walldorfer. Metz zufolge müsse sich die SAP-Strategie aber noch beweisen. "Aus der Praxis melden etliche Anwender bereits zurück, dass die Laufzeiten beim Einspielen der Enhancement Packages nach wie vor sehr lang sind und die Downtime der Systeme entsprechend hoch ausfällt."

Installation dauert lange

Noch schwer abzuschätzen sei der Aufwand zum Einspielen von Paketen. Nach Angaben der DSAG steigt durch die EhPs die Komplexität der ERP-Software, weil die Pakete nicht gekapselt sind: "Es gibt noch keine Erfahrung, wie aufwändig es ist, wenn ein Nutzer beispielsweise eine Funktion aus EhP 5 einspielen will, die ohne damit verknüpfte Erweiterungen aus den Paketen 1, 2, 3 und 4 nicht aktiviert werden kann."

Was sich ändert

Das Modell sieben Jahre Standardwartung, dann zwei Jahre Extended Maintenance von ERP 6.0 dehnt SAP auf die Business Suite aus.

Mit Business Suite 7.0 werden erstmals alle neuen Versionen aller Bestandteile (CRM, SCM, ...) zugleich ausgeliefert.

Die Standardwartung für ERP 6.0 und die Business Suite geht bis Ende 2015.

Ab 2009 wird es nicht nur für ERP, sondern auch für CRM, SCM, PLM und SRM Enhancement Packages (EhPs) geben.

Alle neun bis zwölf Monate will SAP ein EhP herausbringen, das die Kunden nach Bedarf aktivieren können.

Für die in die Business Suite integrierten Business-Objects-Tools wird es ebenfalls EhPs geben.