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SAP verbessert Quartalsgewinn um zehn Prozent

25.04.2012
Der Softwareriese SAP freut sich weiter über brummende Geschäfte.

Vor allem das noch junge Geschäft mit Cloud-Diensten startet durch. Getrübt wird das Bild von den Erwartungen der Börsenwelt, die SAP mehr Erfolg beim Gewinn zugetraut hatte. Sorgenkind sind die USA.

SAP-Campus in Walldorf bei Heidelberg aus der Vogelperspektive
SAP-Campus in Walldorf bei Heidelberg aus der Vogelperspektive
Foto: SAP

Europas größter Softwarehersteller SAP hat seinen Gewinn zum Jahresauftakt kräftig gesteigert und verweist erstmals auf Bewegung im zukunftsträchtigen Geschäft mit Cloud-Diensten. Unter dem Strich verbuchten die Walldorfer im Startquartal 2012 zehn Prozent mehr und kamen so auf 444 Millionen Euro Überschuss, wie der Dax-Konzern am Mittwoch mitteilte. Die übrigen Kennzahlen waren schon bekannt. Sorgen machte dem Softwareriesen das Geschäft in den USA, wo SAP am Zuschnitt seiner Verkaufsstrukturen gerüttelt hatte, was sich als Irrweg erwies. Co-Chef Jim Hagemann Snabe sagte am Mittwoch aber, diese Probleme seien abgestellt. "Wir feuern aus allen Rohren."

Erstmals weist das Unternehmen Umsätze mit der sogenannten Cloud aus, in der Kunden online auf SAP-Anwendungen zugreifen. Die wichtige Zukunftssparte war für die Walldorfer vor einem Jahr mit vier Millionen Euro Erlösen kaum erwähnenswert gewesen - nun sind es schon 29 Millionen Euro. Ende 2011 hatte SAP den milliardenschweren Zukauf des Cloud-Experten SuccessFactors aus den USA auf den Weg gebracht.

"Wir sind jetzt ein führender Cloud-Anbieter", sagte Co-Chef Jim Hagemann Snabe in einer Telefonpressekonferenz am Nachmittag. Immer mehr Kunden wollten SAP in der Wolke. Ein Anzeichen für den fruchtbaren Zukauf sei das um 69 Prozent gesteigerte Neugeschäft von SuccessFactors. "Dabei hat SuccessFactors erheblich zum Wachstum unseres Cloud-Geschäfts beigetragen", sagte Finanzchef Werner Brandt.

Im Cloud-Geschäft werden oft Abo-Modelle angeboten, mit denen Unternehmen sparen können. Es gibt daneben auch feste Verträge mit langfristiger Laufzeit. Die Firmen brauchen keine eigene IT-Logistik mehr mit ganzen Serverräumen und viel Speicherkapazität, sondern buchen einen Online-Zugang zu der fernen Rechnerwolke, aus der sie ausgelagert alles beziehen. Der Bedarf wird dynamisch gesteuert. Je länger das Abo läuft, desto günstiger sind in der Regel die Preise.

Eckdaten zum Quartal hatte SAP schon vor dem offiziellen Termin bekanntgegeben und bestätigte sie nun. Demnach steigerten die Nordbadener ihre Erlöse im Vergleich zum ersten Vorjahresquartal um elf Prozent auf 3,35 Milliarden Euro. Der operative Gewinn stieg um sechs Prozent auf 631 Millionen Euro. Die operative Marge fiel damit um 0,9 Punkte auf 18,8 Prozent. "In Q1 hatten wir zwar gewisse Probleme in Nordamerika", sagte Snabe dem Sender n-tv. "Das Verkaufsteam hat da das Verkaufsmodell geändert. Das hat nicht funktioniert und die Probleme haben wir jetzt gelöst." SAP hatte auf dem Heimatmarkt des Erzrivalen Oracle auch den Chef ausgewechselt.

Die Börse reagierte eher enttäuscht auf die SAP-Zahlen, auch wenn Analysten nicht überrascht waren. Beim Gewinn hatten die Experten den Walldorfern ein wenig mehr zugetraut. Die Papiere der SAP AG drehten entgegen dem Dax-Trend zunächst ins Minus, fingen sich aber wieder.

SAP bestätigte die Ziele für das Gesamtjahr 2012, wonach das Kerngeschäft mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen währungsbereinigt um zehn bis zwölf Prozent zulegen soll. Co-Chef Bill McDermott sagte: "Wir sind auf der Spur, wir sind zuversichtlich und wir sind vorbereitet für das Wachstum." Heutzutage seien SAP-Lösungen längst nicht mehr nur für große Firmen relevant. Die Walldorfer feiern am Sonntag (29.) ihren 40. Geburtstag. Zur Gala in Mannheim im Nationaltheater hat sich Königin Silvia von Schweden angekündigt.

Mit 59.420 Vollzeitstellen (plus zehn Prozent) steht der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware kurz vor der Marke der 60 000. Der weitere Personalaufbau soll laut dem Führungsduo mit dem weiteren Wachstum einhergehen. Ende März betrug die Nettoliquidität - der Kassenbestand minus Schulden bei den Banken - 845 Millionen Euro. Zum Jahresende waren es 1,64 Milliarden Euro gewesen. Damit ist der Zukauf von SuccessFactors zwar deutlich erkennbar, dem stehen aber höhere durchfließende Geldbeträge entgegen. (dpa/tc)

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