Vergleich immer wahrscheinlicher

SAP und Oracle gehen aufeinander zu

04.11.2010
Der Industriespionage-Prozess gegen SAP könnte auf einen Vergleich hinauslaufen.
SAPs aktuelle Doppelspitze: Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott (Foto: SAP)
SAPs aktuelle Doppelspitze: Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott (Foto: SAP)
Foto: SAP AG

Beide Seiten haben ihre starre Haltung aufgegeben und reden miteinander. Nach einem jahrelangen Schlagabtausch sind die beiden Kontrahenten SAP und Oracle vor Gericht einen Schritt aufeinander zugegangen. Die Walldorfer haben nach dpa-Informationen zugesagt, die Anwaltskosten der Gegenseite zu übernehmen. Dabei geht es um rund 120 Millionen Dollar (85 Mio Euro). Eine einvernehmliche Lösung im Industriespionage-Prozess rückt damit ein Stückchen näher.

"Es gibt eine Vereinbarung", bestätigte ein SAP-Sprecher am späten Mittwoch, wollte sich zu den Details aber nicht äußern. Der Vorschlag bleibt solange unter richterlichem Verschluss, wie das Verfahren im kalifornischen Oakland noch läuft. Am morgigen Freitag dürften Oracle-Chef Larry Ellison und möglicherweise SAP-Finanzchef Werner Brandt in den Zeugenstand treten.

Die Vereinbarung könnte die Basis für einen Vergleich bilden. Die Deutschen haben vorsorglich schon mal 160 Millionen Dollar beiseite gelegt. Oracle hatte SAP wiederholt Datenklau vorgeworfen und dabei die Konzernführung der Mitwisserschaft bezichtigt. Die Amerikaner verlangen einen milliardenschweren Schadensersatz. SAP räumte zwar grundsätzlich Verfehlungen ein, sieht jedoch mehrere zehn Millionen Dollar als ausreichend für eine Wiedergutmachung an.

Mitarbeiter der amerikanischen SAP-Tochter TomorrowNow hatten mehrfach unrechtmäßig Daten von der Website des Rivalen heruntergeladen, um dessen Software im Auftrag von Firmenkunden warten zu können. SAP wollte über den Umweg einer günstigen Wartung Oracle die Kunden abspenstig machen und letztlich für die eigenen Programme gewinnen. Das Unterfangen scheiterte allerdings, SAP machte TomorrowNow letztlich dicht.

Der Streit läuft schon seit drei Jahren. Seit Montag stehen sich sich nun die beiden Seiten vor dem Bezirksgericht in Oakland gegenüber, unweit des Oracle-Firmensitzes in Redwood Shores. Der Prozess ist auf vier bis fünf Wochen angesetzt.

Léo Apotheker: HP will seinen Chef aus der Schlammschlacht von Oracle und SAP heraushalten.
Léo Apotheker: HP will seinen Chef aus der Schlammschlacht von Oracle und SAP heraushalten.
Foto: Hewlett-Packard

Oracle will als Zeugen auch den ehemaligen SAP-Chef Leo Apotheker vorladen, der seit Montag den Computerkonzern Hewlett-Packard führt. Doch HP lehnt ab. Apotheker habe nur sehr eingeschränkte Kenntnis von dem Fall, wiederholte eine Sprecherin. "Oracles in letzter Minute gestarteter Versuch, ihn persönlich vor Gericht zu zitieren, ist nichts anderes als eine Schikane." Oracle gehe es nur darum, Apotheker von seinen Verpflichtungen bei HP abzuhalten.

Seit Monaten überzieht der für seine aufbrausende Art bekannte Oracle-Chef Ellison sowohl SAP als auch HP mit bissigen Kommentaren. Oracle konkurriert mit SAP bei Unternehmens-Software und mit HP bei Großrechnern. Der Anwalt der Deutschen sprach jüngst von einem "Medienzirkus", den Ellison veranstalten wolle. (dpa/tc)