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Zusammenarbeit im Cloud-Geschäft

SAP und IBM haben „es“ getan

Rüdiger Spies widmet sich als Ind. VP Software Markets beim Analystenhaus PAC überwiegend dem Themenbereichen Enterprise Applications und zugehörige Infrastrukturen. Dazu gehören erweiterte ERP-Systeme (CRM, SCM), Business Analytics (Big Data), Cloud-Technologien, Mobile Technologien und IT-Architekturen. Vor seiner Tätigkeit bei PAC konnte er über 30 Jahre Erfahrung bei anderen Analystenunternehmen (META Group/heute Gartner, Experton, IDC) und Industrieunternehmen (IBM, Informix, GEI-Rechnersystem/heute T-Systems) sammeln. Spies wurde zwei Mal zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten in der deutschen IT-Szene gewählt und ist als Keynote-Speaker und aus den Medien (z.B. ntv) bekannt. Darüber hinaus ist Rüdiger Spies als Patentanwalt bei LifeTech IP tätig.
SAP und IBM werden künftig im Cloud-Geschäft eng zusammenarbeiten. Für den Erfolg der Cloud-Allianz ist es aber wichtig, dass beide Unternehmen unabhängig bleiben. Eine Analyse von Rüdiger Spies, PAC.

Am 14. Oktober 2014 haben IBM und SAP angekündigt, dass beide Unternehmen im Cloud-Geschäft intensiv zusammenarbeiten wollen. SAP HANA Enterprise Cloud und kritische Business Anwendungen werden also zukünftig aus der IBM Cloud beziehbar sein.

Die Ankündigung war für beide Unternehmen so wichtig, dass sogar der jeweilige CEO mit einem Statement Erwähnung fand. Das passiert ansonsten nur bei strategischen Übernahmen. Die liegt hier aber nicht vor. Ganz im Gegenteil: Für den Erfolg der Cloud-Allianz ist es wichtig, dass SAP und IBM weiterhin zwei unabhängige Unternehmen bleiben.

IBMs jahrelange - ja, beinahe jahrzehntelange - "Surrounding-Strategie" in Bezug auf SAP ist aufgegangen. Trotz IBMs Engagement bei Enterprise-Anwendungen - ehemals als Software-based Assets auf den Markt gekommen - hat das Unternehmen es immer vermieden, eine Frontal-Strategie gegen SAP zu fahren.

Einerseits waren die gemeinsamen Interessen bei gemeinsamen Kunden zu groß, andererseits hätte IBM wichtige Vertrauenspunkte eingebüßt. Stattdessen hat IBM SAP mehr und mehr "umflossen", eingeschlossen, umgarnt und auch mit Fakten überzeugt. IBM hat im Laufe der Zeit einen Schutzwall um SAP aufgebaut, der von Mitbewerbern nur schwer zu durchbrechen war und ist.

Einerseits ist IBM einer der größten Kunden von SAP, hat die größte SAP-Beratermannschaft mit exzellentem Know-how, verkauft am meisten HANA-Appliances und hat SAP mit einem Netz von Intellectual Property umzogen. Außerdem gibt es erstklassige Beziehungen auf allen Ebenen der Unternehmen zueinander.

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Andererseits will SAP das Produkt SAP HANA auch auf IBMs Power Architektur verfügbar machen. Hinzu kommt, dass die Unternehmenskulturen sich gar nicht so sehr unterscheiden. Außerdem sind die jeweiligen Kundeninteressen ähnlich gelagert. Es sind in erster Linie Großkunden, die sich einerseits auf IBMs Trusted Infrastrukturen und anderseits auf SAP-Anwendungen verlassen, die vielfach das Rückgrad der Unternehmensprozesse prägen.

Für SAP gibt es jetzt Entwarnung an der Cloud-Infrastruktur-Front. Hier gab es immer wieder Engpässe. Für IBM bedeutet es einen wichtigen und massiven Schritt in Richtung Cloud-Business. Dies sollte auch im Kontext des IBM / Apple Deals gesehen werden. IBM platziert sich in das Zentrum des Datenstroms zwischen den mobilen Endgeräten und den geschäftstragenden Prozessen der Kunden. SAP kann im Gegenzug von der fast genialen Softlayer-Akquisition von IBM partizipieren. Glückwunsch an beide Unternehmen für die Weitsicht!