Verzögerte Auslieferung von Enterprise Buyer 2.0

SAP und Commerce One feilen an SCM-Funktionen

23.02.2001
MÜNCHEN (CW) - SAP und Commerce One sind Spekulationen entgegengetreten, wonach beide Unternehmen Schwierigkeiten bei der Integration von Techniken in ihr gemeinsames Procurement-Produkt "Enterprise Buyer" haben. Die für Dezember letzten Jahres angekündigte Version 2.0 soll im März oder April auf den Markt kommen.

In seiner ersten Version ist Enterprise Buyer - eine Mischung aus "Buysite" von Commerce One und SAPs "B2B-Procurement" - seit etwa fünf Monaten auf dem Markt. Das Produkt teilt sich in eine auf die Beschaffung indirekter Güter wie Büromaterialien ausgelegte "Desktop"-Variante sowie eine "Professional"-Version für den Kauf direkter Güter, die unmittelbar in einen Produktionsprozess einfließen.

Die jetzt für Version 2 von Enterprise Buyer angekündigten Verbesserungen betreffen vornehmlich die Professional-Variante. Ziel von SAP und Commerce One ist es, in dem Upgrade eine bessere Unterstützung des Supply-Chain-Managements (SCM) zu erreichen. Das Problem, für das die beiden Unternehmen eine Lösung anbieten wollen, liegt darin, dass bislang mehrere, an einem Projekt beteiligte Geschäftspartner vielfach nur über eine Eins-zu-Eins-Verbindung miteinander kommunizieren können. Löst also ein Auftraggeber eine Bestellung aus, dauert es mitunter einige Zeit, bis die daraus resultierenden Unteraufträge das letzte Glied einer Zulieferkette erreicht haben.

Um diesen Zeitverzug zu verhindern, strebt man jetzt so genannte Collaborative E-Services in der Art von Marktplätzen an. Kennzeichnend dafür ist, dass alle Beteiligten der Supply Chain die mit einem Auftrag verbundenen Informationen gleichzeitig erhalten und so schneller beziehungsweise aufgrund geringerer Lagerhaltung auch kostengünstiger reagieren können. Derartige SCM-Features sollen durch die Integration von SAP-Funktionen aus den Produkten "Advanced Planner & Optimizer" (APO) sowie "Product Lifecycle Management" (PLM) in den Enterprise Buyer gelangen.

Diese enge Verzahnung geht laut Brancheninformationsdienst "Computergram" über das hinaus, was andere Anbieter erreichen wollen, wenn sie Lösungen von Drittherstellern an ihre Produkte koppeln. Bei Commerce One und SAP sei von einer gemeinsam entwickelten Architektur als Produktbasis die Rede. Ein solcher Prozess gestaltet sich offensichtlich schwieriger als ursprünglich gedacht und führt letztlich zu der um etwa vier Monate verspäteten Auslieferung der zweiten Version.

Bedeutung hat das neue Release vor allem für Commerce One - das Unternehmen hat in den verschiedenen, marktplatzorientierten Beschaffungsvarianten eine Position gegenüber Erzrivalen wie Ariba, Oracle oder I2 zu verteidigen.