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SAP übergibt seine Datenbank an MySQL

26.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die SAP AG übergibt die Rechte an der eigenen Datenbanksoftware "SAP DB" an MySQL AB. Die Schweden wollen das System ausschlachten und ihre eigene Open-Source-Datenbank damit verstärken.

Der Anbieter der gleichnamigen Open-Source-Datenbank MySQL will die SAP-Datenbank weiterentwickeln und unter eigenem Namen vertreiben. Beide Firmen wollen die Interoperabilität von MySQL und SAP DB sicherstellen und auch den Support für SAP-DB-Anwender leisten.

Laut MySQL soll die Kombination aus der eigenen Technik und der SAP-Software eine Open-Source-Datenbank hervorbringen, die - ähnlich wie das Linux-Betriebssystem - eine Alternative zu den Produkten etablierter Anbieter für alle möglichen geschäftlichen Anwendungen darstellt. Derzeit kann MySQL jedoch noch nicht als Datenbankunterbau für R/3 oder mySAP-Produkte fungieren.

Allerdings haben die Schweden nicht vor, Sourcecode von SAP DB zu übernehmen, sondern möchten vielmehr dessen Funktionen für den Betrieb von Business-Software im eigenen Produkt implementieren, sagte MySQL-Chef Marten Mickos im Gespräch mit der CW. Eine entsprechend überarbeitete Datenbank-Version dürfte erst in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen. Ab dem vierten Quartal wird MySQL die SAP-Datenbank zunächst in ihrer jetzigen Form vertreiben, und zwar sowohl in einer kommerziellen als auch in einer kostenfreien Version.

"MySQL verfügt über die Community, die Dynamik und das Geschäftsmodell, um herausragende Software zu produzieren und Millionen Anwender zu gewinnen. Zu diesem Erfolg können wir nun einerseits beitragen, andererseits wird er uns selbst zugute kommen", kommentierte Karl-Heinz Hess, Mitglied der erweiterten SAP-Geschäftsleitung. Beide Firmen besiegelten eine Technologiepartnerschaft und wechselseitige Lizenzvereinbarungen. Vor allem von den im Vergleich zu namhaften Datenbank-Playern günstigen Lizenzgebühren für MySQL sollen SAP-Kunden profitieren.

Einige Anwenderunternehmen nutzen die SAP-eigene Datenbank als günstige Alternative zu den Systemen von IBM, Oracle und Microsoft. Nach Ansicht von Experten eignet sich SAP DB für Umgebungen mit bis zu 3000 Anwendern. Die meisten SAP-Installationen laufen jedoch auf relationalen Datenbanksystemen der drei genannten großen Hersteller.

SAP hatte sich durch die Übernahme von "Adabas D" der Software AG 1997 in den Datenbankmarkt eingekauft, jedoch mit mäßigem Erfolg. Im Oktober 2000 kündigte das Walldorfer Softwarehaus an, SAP DB als Open-Source-Software zur Verfügung zu stellen. Damit bekundete der Hersteller, dass die Datenbank fortan nicht mehr zu den strategischen Produkten zählt.

MySQL sitzt in Uppsala ist hierzulande mit einer Niederlassung in Nürtingen vertreten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben etwa vier Millionen Anwender. Davon haben allerdings nur rund 4000 die kostenpflichtige Variante in Lizenz genommen. Populär ist die MySQL-Datenbank vor allem als Datenquelle für Web-Anwendungen, die man mit der technisch identischen Open-Source-Variante realisieren darf. (fn/tc)